Freundliche Begrüßung

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Freunde und getreue Nachbarn,

weil ich seit nunmehr dreißig Jahre für das eintrete, was die Juristen als die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung bezeichnen und weil ich mich in Wort und Tat gegen den Antisemitismus wende, werde ich seit dreißig Jahren von der deutschnationalen, christlichen und zionistischen Elite in Oldenburg – und weit darüber hinaus – geächtet und boykottiert.
Wie ist das möglich?
Diese Frage treibt mich um, seit ich im Jahre 1976 meinen ersten Aufsatz über den Schriftsteller August Hinrichs, den Nazi-Ehrenbürger der Residenz und Gauhauptstadt geschrieben habe, und es hat mich sehr viel Mühe gekostet, die Situation, die jedem absurd zu sein scheint, der die örtlichen Verhältnisse nicht kennt, zu verstehen.
Warum werde ich, der ich im Grunde ganz konservative Positionen vertrete, so konsequent aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen, wie das, meiner Behauptung nach, in meinem Falle geschieht?
Aber ist das denn so?
Diese Frage wäre natürlich zu allererst zu stellen. Und als antwort sei eine kleine Anekdote erzählt. Sie spielt in einer Bremer Buchhandlung, in der mein damaliger Verleger – Wolf-Dietmar Stock – aus Anlass eines neuen Bildbandes, an dem ich beteiligt war, einen Empfang gab. Ich stehe also gelangweilt herum und erzähle munter, wie schlecht ich doch in Oldenburg behandelt werde, was meine Hörer sehr zweifelnd zur Kenntnis nahmen, zumal ihnen meine Begründung nicht einleuchtete, was mich veranlasste, immer schärfer zu argumentiren, bis ich schließlich meinen Frust in der Formel zusammenfasste:
„Wer in Oldenburg kein Nazi ist, hat schlechte Karten!“
Schweigen. Peinlich berührtes Schweigen. Schließlich unterbrach eine Frau die Pause und fragte einen pensionierten Polizeibamten, der dabei war, weil er mit Büchern über die Srohauser Plate hervorgetreten war: „Herr Fürst, ist das so?“
Der Angesprochene, der als Einziger in der Runde saß, überlegte sich seine Antwort sehr genau, wobei er seinen Oberkörper hin und her wiegte, während ich angstvoll darauf wartete, was er wohl sagen würde, denn der Mann (er ist inzwischen gestorben) war in der Heimatszene hoch angesehen und hatte deshalb Einiges zu verlieren, aber schließlich meinte er:
„Ja, so ist es!“
Die Runde nahm ihr Party-Geschwätz wieder auf, wandte sich aber anderen Themen zu. „Ja, so ist es!“
Nur zwei Beispiele:
In den vergangenen Jahren habe ich eine mehrbändige Geschichte der alten Gemeinde Blexen geschrieben, die ich gerne dort einmal vorgestellt hätte – aber der Rüstringer Heimatbund war nicht bereit, mich zu einem Vortrag einzuladen.
Oder:
Zu diesem Werk gehört eine umfangreiche Geschichte des Blexer Wahlvereins der SPD. Als ich das dem dortigen Vorsitzenden erzählte, lud er mich sofort zu einem Vortrag ein. Auf seinen Terminvorschlag warte ich seit zwei oder drei Jahren.
Und so funktioniert das immer wieder.
Entweder der zuständige Mensch weiß, dass ein Deutscher mit einem Juden nicht spielt, dann blockt er mich sofort ab, oder er erfährt es später, dann muss er mich wieder ausladen, was gelegentlich in einer sehr unhöflichen Form geschieht geschieht.
Was also habe ich verbrochen, dass man so mit mir verfährt?
Ich weiß es nicht.
Denn natürlich sagt mir kein Deutschnationaler, kein Christ und kein Zionist, was man mir vorwirft – ich muss halt raten.
Auch das gehört zu den Spielregeln dieser Leute. So war es beispielsweise bei der Gestapo oder bei der Stasi üblich, dass der Beamte sein Opfer fragte: „Was meinen Sie, weswegen Sie hier sind?“Natürlich wusste das der Beschuldigte nicht. Darauf der Beamte: „Aber irgendwas müssen Sie doch getan haben – sonst säßen Sie nicht hier!“Ich übertreibe? Oh nein, von jedem Christen, der sich in einen Beichtstuhl niederkniet, wird erwartet, dass er sich selbst beschuldigt. Aber was soll das Kind erzählen, das noch in der vorigen Wochen gebeichtet hat und, etwa in einem katholischen Internat, schon wieder diese Prozedur über sich ergehen lassen muss? Antwort: „Irgend etwas wird ihm schon einfallen!“Und diese Technik der permanenten Selbsterniedrigung wird in allen dogmatischen Systemen, wenn auch in einer säkularisierten Form, praktiziert, und ich habe die Zumutung in vielfältigen Formen erlebt, habe mich ihr unterworfen, und zugleich versucht, mich ihr zu entziehen, mich gegen sie aufzulehnen, kurzum alle Variationen durchgespielt und bin dabei immer tiefer in den Sozial-Verschiss hineingeraten, weil keine dieser unterschiedlichen Rollen durchgehalten habe, kurzum: nie zu mir selber fand. Ich gestehe, dass ich die Situation, in die ich hier in Oldenburg geraten bin, nur schwer ertragen habe, zumal ich leider nicht, wie die Juden, als sie in einer ähnlichen Situation waren, Zuflucht in einer Synagoge suchen konnte, es gab für mich keine Familie und keine Gemeinschaft, die mich emotional auffangen konnte – im Gegenteil: vor allem mine Geschwister hatten mich früh ausgestoßen -, und so habe ich alle Fehler gemacht, die man machen kann, wenn man der vereinigten Tücke der Deutschnationalen, Christen und Zionisten ausgeliefert ist –

  • ich habe wild um mich geschlagen und dabei auch Manchen getroffen, der es nicht verdint hatte;
  • ich habe mich feige geduckt in der Hoffnung, dass mich meine Feinde vergessen möchten, was sie nicht getan haben;
  • und ich habe versucht, den möglichen Anklagen gegen mich argumentativ entgegenzutreten, weil ich meinte, dass man doch irgendwann mit mir reden wird, wenn ich meine Meinung nur sorgfältig genug begründe und im übrigen nett bin
alles umsonst.
Alles umsonst?
Oh nein!
Gewiss: Der Boykott, dem ich heute unterliege, ist so wirksam wie eh und je, denn eines hat inzwischen auch der Letzte verstanden: Wer immer bereit ist, öffentlich, nein, nicht für mich, aber für mein Anliegen, nämlich für die Sicherung der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung und damit gegen den Antismitismus einzutreten, muss damit rechnen, dass es ihm (oder ihr) ebenso ergeht wie mir – und wer will ein solches Risiko eingehen? Und ganz unter uns Pastorentöchtern: Das sollte auch niemand tun, denn zum einem ist die soziale Ächtung, der ich unterworfen bin, kein Vergnügen, und zum andern – brauche ich auch keine Martyrer, und damit bin ich bei dem Vorhaben, das ich hier vorstelle: bei meiner Internetseite.
Der Boykott, dem ich unterworfen bin, funktioniert ja dann, wenn die Angehörigen der deutschnational-christlichen Elite samt den Zionisten die Medien in der Hand haben und alle anderen, die diesem Kartell widersprechen, mit guten oder bösen Gründen als Anarchisten, Kommunisten oder Nazis, jedenfalls als offene Verfassungsfeinde, diffamieren können.1 Das hat bislang funktioniert und weil das so ist, fällt es, so vermute ich, auch nicht schwer, den Dede auch auf diesen Müllhaufen zu entsorgen – sofern es gelingt, ihn mundtot zu machen. Wenn niemand weiß, was er inhaltlich vertritt, dann zeigt allein schon die Tatsache, dass kein Deutschnationaler, kein Christ und erst recht kein Zionist ihn zu Wort kommen lässt, dass er entweder ein Anarchist oder ein Kommunist oder ein Nazis ist, jedenfalls ist es sinnlos, ihn anzuhören, nicht wahr? Nun – die Methode der üblen Nachrede, funktioniert zwar sehr oft, aber glücklicherweise nicht immer. In meinem Fall ist sie zum einen daran gescheitert, dass ich mich von dem Verleumdungsdruck, den Deutschnationale, Christen und Zionisten gegen mich aufgebaut haben, zwar insofern habe beeindrucken lassen, als ich mich aus dem gesellschaftlichen Leben Oldenburgs völlig zurückgezogen habe, ich also dort, wo man mich systematisch nicht mehr einlädt, ich meinerseits auch keine Veranstaltung mehr besuche, aber ich habe meine Arbeit nicht eingestellt – im Gegenteil: Dank der Zeit, die ich durch die Tücke meiner lieben Feinde, wenn ich diesen Ausdruck Biermanns hier aufgreifen darf, gewonnen habe, konnte ich sie intensivieren und damit meine Argumentation auf die Höhe bringen, auf der sie heute steht.
Ob das ausreicht, wird sich in der Zukunft zeigen, denn jetzt habe ich ja das Internet entdeckt und das bedeutet: Zum ersten Mal verfüge ich über ein Medium, über das ich völlig eigenverantwortlich das mitteilen kann, was ich sagen möchte. Es gibt keinen Lehrer, keinen Redakteur, keinen Verleger und keinen Buchhändler, der meint, mir in das hineinpfuschen zu sollen, was ich öffentlich sage oder schreibe – ich spreche unmittelbar und ungekürzt zu meinem Publikum und habe damit zum ersten Mal die Chance, unmittelbar zu meinen Lesern zu sprechen – wenn es denn ein solches gibt.
Ich hatte mich bis dahin mit der Vermutung getröstet, dass ich zwar isoliert werde, aber nicht isoliert bin, weil es viele gibt, die so denken wie ich, zumindest Verständnis für mich haben, nur dass ich sie nicht erreichen kann. Natürlich war ich mir nicht sicher, denn es könnte doch sein, dass ich eine so extreme Position, gleichviel ob rechts oder links, vertrete, dass mir niemand zustimmen mag. In dem Falle wäre ich isoliert, weil ich Quatsch erzähle. Ich hätte also mein Schicksal verdient. Indem ich meine Internetseite einrichten ließ, machte ich also die Probe auf’s Exempel.
Und das Ergebnis?
Ich bin mir noch nicht sicher.
Doch bevor ich mich den nackten Zahlen zuwende, möchte ich die Frage beantworten, die durch das Stichwort „Verschwörungstheorie“ ausgelöst wird. Lässt sich denn eine so große Koalition gegen eine einzelne randständige Figur, die sowohl die Deutschnationalen, als auch die Christen und schließlich die Zionisten umfasst, denken? Muss sie nicht an ihren inneren Differenzen scheitern und vor allem: was ist an dem innerlich schwachen, äußerlich gescheiterten, kurzum völlig unbedeutenden Schriftsteller Dede, der alt und gebrochen seine letzten Tage in seiner Butze in Oldenburg im Großherzogtum verbringt und um den sich niemand mehr kümmert, der von irgendwelchen Vereinen nicht einmal mehr als Mitglied aufgenommen, auch nicht als Sympathisant akzeptiert wird, was also soll an dem so wichtig sein?
Ich will das Problem, um das es hier geht, an zwei Anekdoten deutlich machen:
Die Erste: Im Jahre 1995 wurde ich vom Norddeutschen Rundfunk zu einer „talk-show“ eingeladen. Anlass war ein Skandal, der die nordelbische Kirche erchütterte, weil dort ein schwuler Pastor mit seinem Lebensgefährten in die Pastorei seiner Gemeinde einziehen wollte, was ihm seine Vorgesetzten verboten hatten. An der Diskussion nahmen ein halb Dutzend männlicher Pastoren und eine lesbische Pastorin teil, dazu ich, durchaus in der zweiten Reihe, als atheistischer Historiker oder was weiß ich, jedenfalls plätscherte die Debatte so dahin, in die die Pastoren selbst ihre lesbische gelassen einbezogen, bis ich dran kam und ein dickes Buch vorzeigte, indem ich sinngemäß sagte: „Hier habe ich das Concordienbuch, auf das noch heute alle lutherischen Pastoren vereidigt werden und darin steht: concupiscentia est peccatum ...“Ich kam nicht mehr dazu, diesen lateinischen Satz ins Deutsche zu übersetzen, als die Pastoren schon mit so ungebremster Wut über mich herfielen, dass ich völlig überrascht den Mund hielt– nur die lesbische Theologin schwieg still, hütete sich aber, mich zu unterstützen. Ich hatte so etwas bis dahin nicht erlebt und schwieg still, zumal der Moderator, der ersichtlich um seine Karriere fürchtete, mir nicht gestattete, meinen Satz zu Ende zu führen und dafür den Berufschristen für den Rest der Sendung die Gelegenheit gab, mich ausführlich zu beschimpfen und zu verunglimpfen. Die Zuschauer erhielten keine Gelegenheit mehr zu erfahren, um was es eigentlich ging. Was hatte ich Böses gesagt? Nun, der lateinische Satz, den ich natürlich nur verkürzt zitiert hatte, lautet auf Deutsch: „Der Wunsch (oder: die Begierde) ist die Sünde.“Eine zunächst banale Feststellung, die in dem Concordienbuch im Zusammenhang mit der „Erbsünde“getroffen wird, die dem Menschen von der Geburt an eignet und durch die er nach christlicher Ansicht, denn in diesem Punkt sind sich alle Kirchen, Denominationen, Sekten, Gruppen und Grüppchen einig, zur Hölle verdammt ist, wenn er nicht durch die Gnade Gottes erlöst wird, was nur geschehen kann, wenn er getauft ist und an den Opfertod Christi glaubt, der eben diese Sünde von ihm genommen und ihm so den Weg zur ewigen Seligkeit eröffnet hat, wenn er an dieses Dogma glaubt und infolgedessen seinen Willen auslöscht, dafür aber den seines neuen Herrn, nämlich Jesus Christus, gelten lässt, der konkret auf Erden durch seine Priester vertreten wird. Ich lasse jetzt die Frage offen, wer das nun im Einzelnen ist und beschränke mich auf diese Kernaussage, die eben auf dem Satz beruht: concupiscentia est peccatum. Nun wird das lateinische Wort in meinem Lexikon mit „Begierde“ übersetzt, erhält also auf diese Weise bereits einen negativen Beigeschmack, weswegen ich oben vorgeschlagen habe, das deutsche Wort „Wunsch“zu wählen, auf jeden Fall ist dieses gemeint: indem der Säugling nach seiner Geburt überhaupt etwas will und diesen Wunsch lautstark äußert, indem er also, sagen wir, Milch saugen möchte, erweist er sich bereits als „sündhaft“. Seine Verworfenheit zeigt sich darin, dass er an das irdische Leben gefesselt ist, ein Zustand, dem er erst dann entgehen kann, wenn er sich ganz mit dem identifiziert, was Christus von ihm verlangt, also die Priester von ihm fordern. Nun ist das zwar die zentrale Lehre der christlichen Religion, aber ebenso richtig ist natürlich, dass zumindest in Deutschland keine Organisation noch Mitglieder finden wird, die das öffentlich und ungeschminkt vertreten würde – also müssen alle Christen die Erbsündenlehre irgendwie verstecken, wenn sie sie auch nicht ganz aus ihren Repertoire streichen können, denn wenn es sie nicht mehr gäbe, wäre auch die Erlösung durch Jesus Christus nicht mehr notwendig, damit auch die Macht der Priester hinfällig – nein: Apage, Satanas! Also muss man irgendwie Verfahren finden, die es erlauben, die christliche Religion emotional in den Menschen zu verankern, ohne dass die Erbsündenlehre ausdrücklich, sehr wohl aber konkludent vermittelt wird, was beispielsweise dadurch geschieht, dass man einen Kirchentag unter das Motto stellt: „Lasset euch versöhnen mit Gott“. Da nimmt also jemand irgendetwas übel, wobei natürlich, siehe oben, nicht gesagt wird, was das ist, aber ich soll mich jedenfalls schuldig fühlen und mich deshalb unterwerfen – widerlich. Diese Verlogenheit ist aber deshalb möglich, weil die Christen es seit der Nazizeit verstanden haben, jede Kritik an ihrer Religion auszuschließen. Sie haben die Legende aufgebaut und durchgesetzt, dass es die Christen waren, die in Deutschland in Opposition zu den Nazis standen (was so nicht stimmt), und nicht nur das, dass auch sie es waren, die den Kommunisten Widerstand geleistet haben (was schon eher richtig ist), so dass jeder, der dieser Religion als solcher (nicht irgendwelchen Einzelpunkten) widerspricht, entweder ein Nazi oder ein Kommunist sein muss, auf keinen Fall einDemokrat sein kann. Dieser, wenn ich so sagen darf ökumenische Grundkonsens wird besonders in den öffentlich-rechtlichen Sendern brachial durchgesetzt, denn dort sitzen die christlichen Zensoren in dem Apparat selbst und wachen darüber, dass nichts über den Äther geht, was dem entgegensteht, weil nämlich jeder, der sich gegen den Heiligen Geist versündigt, zumindest mit keiner Beförderung mehr rechnen kann. Wer also etwas werden will, und das gilt natürlich auch für alle Privatfirmen, muss seine christliche Überzeugung plakatieren, darf sich zumindest nicht gegen die Ideologen wenden, aber wenn er brav ist und dem Herrn Jesus Christus dient, dann – aber möge sich jeder bei Peter Hahne erkundigen, wie das so läuft. Und nun gerät da jemand in eine Talkshow, der dieses Tabou bricht! Nun muss man wissen, dass die beteiligten Pastoren, die sich so ungebremst ihrem christlichen Nächstenhass überließen, mich persönlich ebenso wenig kannten wie der Moderator, der mich an diesem Abend zum ersten Mal sah und vor der Sendung kein Wort mit mir gewechselt hatte – danach natürlich auch nicht - , meine Feinde hatten also keine Gelegenheit, sich zu irgendetwas zu verabreden, aber sie waren sich sofort einig und mehr noch: am nächsten Morgen zeigte es sich, dass die Pfarrer mit mir in demselben Hotel untergebracht waren. Ich saß bereits am Frühstück, als auch die geistlichen Herren erschienen – und grußlos an mir vorbeimarschierten. Sie waren dem leibhaftigen Gottseibeiuns begegnet und hätten mich, wenn die Szene dreihundert Jahre früher gespielt hätten, sicherlich dem Tode durch das Schwert überliefert (die Lutheraner ließen ihre Ketzer köpfen, während die Calvinisten sie verbrannten), aber an einer solchen barmherzigen Tat sind sie ja zur Zeit durch einen leider gottlosen Staat gehindert – und so belassen sie es dabei, den abgefallenen Sünder nicht weiter zu beachten und aus der Gesellschaft auszuschließen, also eben das für die Dauer eines Augenblicks zu tun, was mir hier in Oldenburg dauerhaft geschehen ist. Dazu bedarf es, das also ist meine These, keiner Verabredung, vielmehr genügt es, dass die Priesterschaft aller dogmatisch motivierten Gruppen, also durchaus nicht nur der Christen, ganz emotional und spontan eine für sie existentielle Gefahr wahrnimmt – dann ist die ganz spontane Reaktion aller Berufschristen ohne jede Ausnahme genau die, die ich in Hamburg in jener Talkrunde erlebt habe.
Und nun die zweite Anekdote. Ich stehe auf dem Domshof in Bremen und beobachte in der Ferne eine Gruppe von Pennern, von denen drei ältere, die ersichtlich am Ende ihrer Säufer-Karriere stehen, auf einer Bank sitzen, während ein relativ junger Mann, ein blonder germanischer Recke, noch gut angezogen und gesund, vor ihnen wütend gestikuliert, wobei er offensichtlich einen der älteren Männer beschimpft, der sowieso am Rande der Bank sitzt und immer mehr zur Seite rutscht, bis er seine Plastiktaschen ergreift und sich trollt, während der staatsche Jüngling triumphierend ihm Einiges nachruft. Die beiden anderen Penner schauen unterdessen zu Boden, ersichtlich froh, dass es sie nicht getroffen hat. Was immer der Inhalt des Streits war – wichtig ist hier der soziale Mechanismus: Da haben wir einmal den jungen Mann, der sich auf Grund seiner körperlichen Überlegenheit zum Führer der Gruppe macht, aber das genügt nicht, denn er braucht jenen, der ihm nicht passt, und den er aus der Gruppe ausschließt, weil er sich so die anderen unterwirft. Das aber ist ihm wichtig, denn so bewahrt er, der ersichtlich ganz unten angekommen ist, sich doch noch einen gewissen Rang, denn es gibt solche, die noch unter ihm stehen und sich mit ihm solidarisieren und ihm zugleich gehorchen. Er stellt also nicht nur seine Überlegenheit über die beiden anderen Penner, sondern zugleich eine emotionale Verbundenheit mit ihnen her, während er sie zugleich von demjenigen, den er davon geschickt hat, trennt. Auf der anderen Seite identifizieren sich die beiden Männer auf der Bank natürlich nicht mit demjenigen, der davon geschickt wurde, sondern mit dem jungen Mann. Sie, die schwach und krank sind, partizipieren so mit der Stärke dessen, der sie zugleich schützt beherrscht, mehrnoch: Er lässt sie, indem er sie an seinem Rang teilhaben lässt. Diesen Vorgang bezeichne ich als Identifikation, die stets so funktioniert, dass Schwächere an der Kraft eines Stärkeren partizipieren und sich gemeinsam mit ihm gegen einen randständigen Opponenten wenden, die sie aus dem Verband drängen. Um das ins Bild zu bringen: Der kräftige, tadellos uniformierte SS-Mann, der schmutzige Jude und der unscheinbare Zuschauer bilden stets ein soziales Ensemble. Daraus folgt für mich, dass wir es hier in Oldenburg auf der einen Seite mit einer mächtigen Clique zu tun haben – damit meine ich die Angehörigen der herrschenden Oligarchie, also die Pastoren aller Konfessionen, die Funktionäre der Parteien und Verbände und natürlich auch der zionistischen Gemeinde, die sich in dem Gefühl einig sind, dass der Dede ausgeschlossen werden muss, während wir das bild durch die Vielen ergänzen müssen, die sich der Oligarchie unterwerfen und sich zugleich mit ihr solidarisieren, während sie den Außenseiter eben ausstoßen, nicht weil sie etwas gegen ihnhaben, sondern weil das der soziale Mechanismus, der hier wirkt, so mit sich bringt. Nehmen wir eimal an, es gelingt mir, den Boykott zu durchbrechen, dann werden mir in Oldenburg all diejenigen, die heute die Tür vor mir verschließen, versichern, dass sie ja schon immer auf meiner Seite standen, wobei sie subjektiv nicht einmal Unrecht haben und brechen wir nicht den Stab über sie: Keine Gesellschaft würde bestehen, wenn es diesen Opportunismus nicht gäbe. Natürlich gibt es jene, diemir bewusst und gezielt aus chemisch reiner Bösartigkeit schaden wollen und das auch ins Werk gesetzt haben und mancher wird sich sagen: Wenn ich diesen oder jenen Posten haben will, muss ich mich von dem Dede fernhalten, aber das wird nicht die Regel sein – in den meisten Fällen verhält man sich so, weil man das tut, denn man weiß ja – woher eigentlich? -, dass der Dede Quatsch erzählt, eine Außenseiterposition einnimmt, also nicht beachtet zu werden braucht. Auch dazu eine Anekdote: Ein städtischer Beamter führt in einem Bus eine Gruppe von Touristen durch Oldenburg, als ich des Weges geradelt komme. Er nimmt das Mikrophon und kräht in den Bus: „Schauen Sie, da fährt unser Oldenburger Original!“ Er war auf seinen Witz so stolz, dass er mir die Geschichte hinterher erzählte und höchst verundert reagierte, als ich böse wurde, denn hier war genau das passiert, was ich eben beschrieben habe: Ein Original kann sehr nett sein, aber es wird nicht ernst genommen. Natürlich geht man mit einem solchen Menschen höflich um, denn er ist ja nur amüsant – aber keineswegs gefährlich.
Allerdings stellt sich hier die Frage: Wenn das so sein sollte, wenn ich nichts weiter als ein harmloser Spinner ohne jede Bedeutung sein sollte, warum dann dieser Hass, dem ich nicht nur in Oldenburg begegne? Warum haben meine Feinde eine solche Angst vor mir, dass sie – vor allem die Christen und Zionisten - zum Teil auch keineswegs mehr höflich mitmir umgehen? Was verleiht mir eine solche Macht, dass sie das, was sie intern trennt, vergessen, wenn es darum geht, mich aus dem öffentlichen Diskurs auszuschließen? Nun, ich persönlich bin ihnen natürlich völlig unwichtig, auch mein literarisches Werk regt sie nicht weiter auf, zumal sie es nicht kennen – was mich gefährlich macht, ist das Thema und zwar nicht nur das, meiner Bücher, sondern das meiner Existenz. Meine zentrale Frage, die ich in vielen Anläufen erörtert habe und sicherlich nie befriedigend beantworten werde, lautet nämlich:

Wie ist in einer autoritären Gesellschaft eine selbstbestimmte Existenz möglich?

Das ist mein Thema. Die Frage ist gewiss einfach, aber die Antwort fällt schwer und ist zu kompliziert, als dass sie ein Einzelner geben könnte, jedenfalls habe ich mich daran viele Jahre abgearbeitet und bin noch keineswegs zu Ende damit gekommen. Denn es trifft ja zu, was Karl Albrecht Schachtschneider in der Jungen Freiheit vom 20. April 2007 so formuliert: „Freiheit ist die Würde des Menschen. Sie ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Autorität. Freiheit verbietet jede Art von Herrschaft. Das wollen die, die die Herrschaft erobert haben, nicht in Frage gestellt sehen. Würde der aufklärerische Freiheitsbegriff verwirklicht, wäre diese Herrschaft beendet. (Karl Albrecht Schachtschneider: Freiheit ist ein Grundrecht. In: Junge Freiheit, Nr. 11/07, S. 18) Und schlimmer noch: Wenn wir, mit Bochenski sagen, dass der Anarchismus eine Lehre ist, nach der niemand das Recht und die Möglichkeit haben darf, verbindliche Weisungen zu geben, dann folgt daraus, dass eine größere Gruppe nicht mehr in der Lage sein wird, komplexere Aufgaben zu lösen. (c.f. J. M. Bochenski: Was ist Autorität? 1974, S. 133fff) Auf der anderen Seite kann es nicht das Ziel sein, den Menschen in all seinen Äußerungen zu reglementieren – wir stehen also vor der Frage solche Regeln zu finden und zu praktizieren, die das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen nur so weit beeinträchtigen, als das nötig ist, um die Freiheit des anderen zu gewährleisten. Ausgangspunkt aller unserer ethischen und damit auch politischen Überlegungen muss also nach meiner Meinung das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen sein – und nicht das des Kollektivs. Genau das unterscheidet den Liberalen von dem dem Dogmatiker: Dieser geht von der Regel aus, die seiner Ansicht nach einzuhalten ist, was er notfalls mit Gewalt – und stets zum eigenen Vorteil – durchzusetzen trachtet, und jener von dem prinzipiellen Anspruch des Einzelnen auf seine Freiheit, die allerdings deshalb begrenzt ist, weil niemand alleinist , auch nicht allein sein kann und will. Er lebt in einer Gesellschaft, was bedeutet, dass seine Freiheit begrenzt, aber nicht aufgehoben und schon gar nicht durch die Freiheit des Anderen vernichtet wird.
Das, was ich hier ganz allgemein formuliere, muss sich natürlich im Gedränge historischer Ereignisse irgedwie bewähren – oder auch nicht, jedenfalls habe ich mich dem Thema mit einer Fülle von Einzeldarstellungen, die zum Teil sehr umfangreich geraten sind, zu nähern versucht. Das meiste davon ruht in meinem Nachlass und wird wahrscheinlich mit diesem untergehen, was verschiedene mehr oder weniger banale Gründe hat, vor allem aber dem Umstand zu danken ist, dass in der deutschen Gesellschaft die Fragestellung, die ich in langen Mühen gefunden habe, nicht zugelassen ist, denn sie wird von dem Widerspruch zwischen einer Verfassungstheorie, die von dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen ausgeht, und einer politischen Praxis, die geprägt ist durch das deutschnational-christliche und damit antisemitische Dogma, wobei die Ablehnung der Juden allerdings, um das Übel vollständig zumachen, hinter einem ostentativen, aber keineswegs ehrlich gemeinten Zionismus versteckt wird.
Deutschnationale und Christen unternehmen also tagtäglich die größten Anstrengungen, den Widerspruch zwischen einer demokratischen Verfassung und einer autoritären Politik so wenig als möglich spürbar zu machen, was nur aus Gründen, die ich hier nicht näher erläutern möchte, mit der Unterstützung der Zionisten möglich ist und da kommt jemand, und macht genau das zum Thema seiner Publikationen. Dass das nicht nur nicht gebilligt werden kann, ja, unterdrückt werden muss, liegt doch auf der Hand – muss ich mich da über mein Schicksal wundern? Ich bin also das Opfer einer in sich höchst heterogenen Koalition, zum einen, weil ich die Frage stelle, die von ihnen gemeinsam tabuisiert wird, dann aber auch, weil ich der geeignete gemeinsame Feind bin, den sie brauchen, um sich nicht gegenseitig zu zerfetzen. Zunächst will ich die Frage beantworten, warum ich für die Rolle des Opfers prädestiniert bin:

  • Zum ersten deshalb, weil ich charakterlich schwach und feige bin, also, wenn wir der Sozialethik des oldenburger Nazi-Ehrenbürgers August Hinrichs folgen wollen, für die Rolle des Sklaven und des Knechts bestimmt bin, und auf demjenigen, der bereits am Boden liegt treten, diese Helden ja mit besonderem Eifer herum;
  • dann weil ich ihnen wirklich gefährlich werden kann, denn ihr Tabou fällt notwendig in dem Augenblick in sich zusammen, in dem es angerührt wird, was zur Folge haben würde, dass die existentielle Verlogenheit der gegenwärtigen Elite offenkundig würde. Damit wäre aber ihre moralische Autorität vernichtet – und dann? Wird dann die gegenwärtige Oligarchie abtreten?
  • Nein, das wird nicht passiren, denn die drei großen Fraktionen der Oligarchie, die Deutschnationalen, die Christen und die Zionisten, halten, bei aller internen Feindschaft, nach außen eben doch zusammen, weil sie einen gemeinsamen Feind haben. Die interne Feindschaft besteht, weil die drei Gruppen jeweils Dogmen vertreten, die die der anderen ausschließen, keine aber sagt, welche konkrete Politik verfolgt werden soll, was bedeutet, dass alle drei auf „Führer“ angewiesen sind. Theoretisch können also drei „Kaiser von China“ auftreten“, wo nur für einen Platz ist, kurzum: Konfliktstoff gibt es genug, aber der wird verdeckt durch den gemeinsamen Kampf gegen den einen Feind, der zugleich schwach ist, was den Sieg garantiert, und Angst einflößt, weil er nicht nur eine Person ist, die man, wie auch immer, beseitigen kann, sondern auch ein Thema, das bleibt, und das erzwingt auf Dauer den Zusammenhalt auf Dauer. Früher war der Antisemitismus der Kitt, der Deutschnationale und Christen zu einer Einheit verband. Der wirkt zwar heute auch noch, darf abr öffentlich nicht direkt geäußert werden, so tritt an dessen Stelle der Ersatzjude – und das ist in Oldenburg zur Zeit eben der Dede.
Ich bin also, ohne das zu ahnen und zu wollen, in die Rolle des Gegensymbols der gegenwärtigen Elite geraten, und komme da nicht mehr heraus. Dadurch ist das Urteil, das man über mich hegt, festgelegt: Niemand braucht mich noch aktiv zu verleumden, denn man weiß ja, was man von dem da zu halten und wie man sich zu verhalten hat, und man richtet sich danach. Und von mir wird allenfalls erwartet, dass der herrschenden Clque in Oldenburg möglichst lange erhalten bleibe, denn das erspart ihr die Mühe, sich einen Ersatz zu suchen. Es würde mir also nichts nützen, wenn ich zu Kreuze kröche, was ich versucht habe – vergeblich. Meinen Feinden geht es nicht um den Sieg, auch nicht um meine Vernichtung nichts dergleichen – sie brauchen mich in der Rolle, in die ich, ohne dies übrigens zu wollen, geraten bin, denn wenn sie mich wirklich und konkret vernichten könnten, dann müssten sie einen neuen Teufel erfinden, damit sie nicht an ihren Konflikten zugrunde gehen – kurzum: sie wünschen zwar, dass ich am Boden liege, aber sie brauchen mich auch, meine lieben Feinde, so wie die Christen die letzten Juden am Leben halten wollen, damit diese, indem sie sich trotz allem zum Heiland bekehren, die Glorie des Messias vollenden. Was von mir erwartet wird, verstand ich, als mich ein Pastor, dem ich mein Leid geklagt hatte, einmal fragte: „Wissen Sie denn, Herr Dede, wer Ihr größter Feind ist?“ Ich habe ihn grußlos stehen lassen, denn mir wurde in dem Augenblick klar, welche Antwort er erwartete: „Das bin ich armer, elender Sünder selbst!“
Nein!
Ich bin das Opfer einer inhumanen, deutschnational-christlich geprägten, im Wesen antisemitischen Gesellschaft, in der ich unglücklicherweise in die Rolle des Juden geraten bin, weil derjenige, der eigentlich gemeint ist, wenn ich diffamiert werde, nach Auschwitz nicht mehr genannt werden darf. Nun gut – das ehrt mich letztendlich. Oder werde ich durch die Tatsache, dass ich gesellschaftlich isoliert bin, auch sachlich widerlegt? Nun, das wird sich zeigen – ich setze das, was ich sage, mit dieser Seite im Internet dem Risiko der Falsifikation aus, um mit Karl Popper zu reden – weiter geht meine Absicht nicht. Ich will niemanden überzeugen und schon gar keine Gefolgschaft oder gar Sekte bilden, aber ich gehe von dem Bedürfnis des Menschen nach Selbstbestimmung und von seiner schlechthinigen Bereitschaft zum Dialog aus, die beide gefährdet sind durch die zur Zeit stattfindende Dogmatisierung der Gesellschaft durch in sich widersprüchliche, jedoch inhumane Ideologien. Wenn ich dies Bewusstsein bei dem einen oder anderen geweckt oder verstärkt haben sollte, wäre mir das genug.