18 Juni 2013
Als Caesar mit seinen Legionen den Rhein erreicht hatte, bezeichnete er, wie gesagt, die Vielzahl der Völkerschaften, auf die er hier traf, als "Germanen", Die Mitglieder der jeweiligen Stämme, also die Cherusker, Ingväonen, Chauken, Chatten, Marser und all die anderen, von denen wir nicht einmal die Namen kennen, wussten nicht, dass die Römer sie so nannten, und sie hatten auch nicht das Bedürfnis, sich einen gemeinsamen Namen zu geben. In einer weiteren Phase bildeten sich dann die Stämme der Schwaben, Franken, Sachsen, Alemannen, Friesen und was sich sonst vorfandWaren das alles lupenreine "Arier", wie das die Rassenlehre der Nazis verlangte?
Natürlich nicht!
Die Bajuwaren beispielsweise, die heutigen Baiern und Österreicher, haben eine höchst komplizierte Frühgeschichte erlebt, die durchaus nicht mehr vollständig zu erhellen ist, aber so viel scheint mir sicher zu sein: Im Falle der Bayern haben wir sicherlich stramme Germanen vor uns, aber sehr wahrscheinlich auch ebensolche Kelten.
Wie gemischt die Bevölkerung sein kann, lehrt das Beispiel meiner Heimat.
Butjadingen (an der Wesermündung), war etwa von 400 vor Christus bis etwa 400 Jahre nach von den Chauken besiedelt, jedenfalls hoffe ich, dass das stimmt. Danach verschwand der germanische Stamm nach England, das die Römer geräumt hatten. Das Gebiet blieb dann einige Jahrhunderte hindurch im Wesentlichen unbewohnt, bis die Friesen einsickerten, denen die Sachsen folgten. Mit anderen Worten: Da der Mensch ein Nomade ist, immer auf der Suche nach Gegenden, wo es ihm besser als als in seiner "Heimat" ergeht, können wir nur den jeweiligen Stand der Dinge feststellen, der sich aber stets ändert, was vielleicht das jeweilige Individuum nicht bemerkt, im geschichtlichen Rückblick aber offensichtlich ist.
Und wie soll da so etwas wie die deutsche Nation entstehen?
Ganz einfach:
Über die Namensgebung, die aber nicht autonom erfolgt, sondern jeweils durch die Anderen, die das Bedürfnis haben, dem Nachbarn oder dem Zuzügler einen Begriff zu geben, der ihn von den eigenen Leuten abgrenzt. Bleiben wir also beim Reich der Franken.
Das Gebiet, das Karl der Große beherrschte, wurde von seinen Erben in drei Teile geteilt, nämlich:
· in einen westlichen Teil, das heutige Frankreich,
· dann in das östliche Teilreich, dem wir vorerst keinen Namen geben wollen,
· und ein Mittelreich, dessen Herrscher, Lothar, auch die Kaiserkrone erbte.
Das war aber nicht das Ende der Auseinandersetzung. Der Westen konsolidierte sich sehr rasch, weil hier zwar die Herrscher wechselten, nicht aber die Dynastie. Zwar folgten auf die Capetinger die Valois und auf diese die Bourbonen, aber all das geschah auf dem Wege des normalen Erbganges, was den Untertanen stets bewußt blieb, weshalb Ludwig XVI. auch, als er angeklagt war, als "Bürger Capet" angesprochen wurde.
Nicht so der ostfränkische Reichsteil.
Hier folgten auf die Karolinger die Sachsen, dann die Hohenstaufen, dann die Luxemburger und schließlich die Habsburger, und sie alle herrschten über ein Reich, das in sich zersplittert war, und zwar nicht nur durch das Feudalrecht, das selbst die westfränkischen Könige nur mühsam überwanden, sondern auch dadurch, dass unter der Römischen Kaiserkrone neben dem Königreich Germanien, auch diejenigen der Langobarden und des Arelats (oder Burgunds) versammelt waren. Hinzu kamen assoziierte Königreiche, wie wir sagen würden. nämlich dasjenige "beider Sizilien" und dann der König von Jerusalem, ein Titel, den die Habsburger bis zum Schluss, also bis 1918 führten. Das alles wurde sozusagen überwölbt durch den Titel des "Römischen Kaisers", der das "Römische Reich" beherrschte, ein Gebilde, das die Juristen des 17. und 18. Jahrhunderts vergeblich zu definieren versuchten, bis sie derartige Versuche aufgaben und von einem "Monstrum" redeten, das nicht zu verstehen sei.
Und wo steckt die deutsche Nation?
Anmerkung: Erdogan droht mit dem Einsatz des Militärs. Damit gesteht er ein, dass seine Autorität auf den Spitzen der Bajonette ruht. Damit kann er in seinem Land die Ruhe wieder herstellen - aber zu welchem Preis? Das wird sich zeigen. Schon Talleyrand wußte: "Bajonette sind zu Vielem gut, abr man sollte sich nicht auf sie setzen." Eines sollte die politische Elite dieses Landes begreifen: Ein Staat, der sich auf Sultan Selim I. beruft, gehört nicht in die Europäische Union. Schlicht: Nein.
Noch ein Punkt:
In Nordenham bin ich offenbar so verhaßt, dass ich weder von der Stadtverwaltung noch von der Kreiszeitung eine Antwort erhalte, wenn ich ein Anliegen habe. Ich frage mich verbissen, welches Verbrechen bewirkt hat, dass ich so geächtet bin. Dabei bin ich doch in den letzten zehn Jahren und noch länger so brav gewesen.
Nun gut, da Niemand mit mir redet, werde ich die Ursache dieses Bannfluchs wohl nie erfahren.
17 Juni 2013
Es waren deutsche Brauer, die im 19. Jahrhundert mit dem Bier die Technik in die USA einführten, die es möglich machte, das deutsche Nationalgetränk über weite Strecken zu transportieren und lange zu lagern. Dabei stießen sie auf den Widerstand der Temperenzler und der Abstinenzler, die sich nicht immer vernünftig verhielten. So zog eine Frau namens Carrie Nation, ausgerüstet mit einer Axt, durch die Saloons des mittleren Westens, und zertrümmerte dort jeweils zuerst den Spiegel hinter der Theke und dann das restliche Mobiliar. Normalerweise hätte sie der Wirt oder ein Gast erschossen, aber das geschah nicht, denn sie war ja eine Frau, und einer Solchen taten die Rauhbeine jeneits des Missippis nichts, indes buchtete sie der Sheriff ein. Es folgte ein Gerichtsverfahren, in dessen Verlauf sie mal verurteilt wurde und mal nicht - das amerikanische Rechtssystem machte das möglich - aber spätestens, wenn sie ihre Strafe abgesessen, nahm sie ihre Axt wieder in die Hand und zog in den nächsten Ort, wo sie sich wieder den Saloon vornahm. Der Schrecken, den die Frau verbreitete, war so intensiv, dass manche Wirte in ihre Fenster Zettel klebten mit dem Vermerk: "Every Nation welcome but Carry!"Warum erzähle ich die Geschichte?
Zunächst weil ich sie lustig finde und dann weil ich gerne schwatze, und schließlich, weil sie zeigt, dass der Kampf der frommen Christen im Lande hin und her gegen den Alkholkonsum keineswegs mit frommen Sprüchen und Wattebäuschchen ausgefochten wurde, sondern sehr handfest, und so hatten die Bierbrauer allen Grund, sich zusammen zu schließen, um sich gegen die Abstinenzler und Temperenzler zu wehren.
Ich weiß nun nicht mehr wann das geschah, jedenfalls waren die Einwanderer aus "good old Germany" zunächst einmal unter sich. Man sprach also Deutsch. Im folgenden Jahr erinnerte man sich, dass man sich ja in den USA befand und ließ die englische Sprache zu. Im dritten Jahr schießlich wurde auf den Kongressen der Bierbrauer nur noch Englisch gesprochen.
Und das fand allgemein statt. Die Auswanderer aus meiner Familie sprachen in der ersten Generation deutsch. In der zweiten verstanden sie noch die Sprache und in der dritten war die Beziehung vollends abgebrochen und konnte auch nicht wieder belebt werden.
Warum?
Weil es halt keine deutsche Kultur gibt.
Die Hutterer verhielten sich anders. Sie bewahren ihr Deutsch - aber das ist eine eigene christliche Sekte, mit einer eigenen Theologie, eigenen Sitten und dann auch einer eigenen Sprache,eben dem Deutschen.
Und ebenso die Italiener, die zwar auch Englisch redeten, aber zugleich ihre Muttersprache bewahrten, sicherlich auch deshalb, weil sie so miteinander kommunizieren konnten, ohne dass Außenstehende sie verstanden. Diesen Ehrgeiz hatten die deutschen Einwanderer nicht. Ganz im Gegenteil: sie wollten möglichst rasch Amerikaner werden. Nur der Weihnachtsbaum blieb und wanderte so um die ganze Erde.
Und gilt das auch für andere Bereiche?
In der Romanik entwickelt sich die frühmittelalterliche Architektur aus derjenigen der Antike heraus, lese ich im Internet, ist also keineswegs deutsch, wenn auch die sächsischen Kaiser ihre Dome gerne in diesem imperialen Stil gebaut haben. Aber diese Erklärung reicht nicht ganz. Gewiss: Die Basilika, die Grundform aller west-europäischen Kirchen bis in das 19. Jahrhundert, war der Saalbau, der den antiken Kaisern und Gouverneuren gestattete, ihre Hörigen,trotz Regenwetters, um sich zu versammeln, aber das Bedürfnis, den Gottesdienst in geschlossenen Räumen zu feiern, hatten die Mithräer geweckt und die Christen von ihnen übernommen - und das geschah nicht nur aus Rücksicht auf das schlechte Wetter, sondern weil das Gewölbe sozusagen das Modell der Welt war, wie man sie sah, aber ich glaube, dass ich das schon dargelegt habe.
Der romanische Baustil ist also der Form nach ein Erbe der Antike, dem Geist nach ein solches des Mithraskults - christlich, oder gar "deutsch" ist daran Nichts. Die Gotik hingegen hat ihren Ursprung in Nord-Frankreich und ist von daher in das ostfränkischeTeilreich eingewandert. Von da an wurde in dem Gebiet, das man später als Deutschland bezeichnete Alles, was außerhalb erfolgreich wurde, emsig abgekupfert.
So auch in der Literatur, was ich hier nicht näher ausführen möchte.
Aber was war dann "deutsch"?
Woher kommt der Ausdruck überhaupt? Anmerkung; Ergogan (?) in der Türkei siegen? Natürlich, es sei denn, dass das Militär eingreift und "für Ordnung sorgt", was aber dann kein Sieg des türkischen Premiers wäre, sondern eben des türkischen Militärs, und ob die Polizei den Aufstand niederknüppelt oder Panzer ihn nieder rollen, ist letztendlich wumpe, was dann folgt, ist eine erneute Diktatur, vom wem auch immer. Und dann? Ja, das ist die entscheidende Frage. Kemal Ata Türk war ein moderner Diktator, aber kein Demokrat. Und damit ist genau das Defizit bezeichnet, um das es geht. Können denn die Muslimbrüder die Lücke, welche die Kemalisten hinterlassen haben, ausfüllen? Eben nicht. Das zeigt sich in Tunesien, in Ägypten und überall: Mit den Rezepten Mohammeds aus dem 7. nachchristlichen Jahrhundert lassen sich die sozialen Probleme unserer Zeit nicht lösen - und das wird sich auch in der Türkei zeigen. Die eigentlich entscheidende Frage scheint mir zu sein, ob die Kemalisten in der Lage sind, die demokratischen Reformen, die Ata Türk im Jahre 1920 unterlassen hat. nachzuholen. Das aber bedeutet, dass die Kurden irgendwie befriedet werden müssen und dass der türkische Staat den Völkermord an den Armeniern anerkennt. Schwierig, schwierig...
