19 Juni 2013
Die Römischen Kaiser des Mittelalters übten ihr Gewerbe im Umherziehen aus - wie ich vermute, aus zwei Gründen: · Zum Einen war die Produktivität vor allem der Bauern so gering, dass die Einheimischen nicht genügend Vorräte hatten, um einen so hohen Herrn samt seinem Gefolge dauernd unterhalten zu können, und· zum Andern weil der Herrscher sich durch eigenen Augenschain überzeugen wollten, dass seine Befehle ausgeführt worden waren, ein Motiv, das noch Friedrich den Großen im 18. Jahrhundert in Bewegung setzte. Das war natürlich lästig, und so setzte sich bereits Karl der Große in Aachen fest, weil er das Wasser dieser Stadt zu schätzen wusste. Die Kontrolle übte dieser Kaiser ansonsten, wie gesagt, über Ministeriale aus, die er, wie gesagt, mit Land bezahlte, wodurch der Adel entstand, also ein Dienstadel, der seinen Rang aus dem Auftrag herleitete, den ihm einst der Kaiser (oder ein König) verliehen hatte.
Es gab noch eine andere Quelle, zu Macht und Reichtum zu kommen: Manchen Männern gelang es nämlich, sich dauerhaft für den jeweiligen Herrscher unentbehrlich zu machen. Das galt besonders für Juristen, und die wurden am Hofe ihres Dienstherrn sozusagen durchgefüttert, und diese Leistung wurde irgendwann, als der Kaiser und die Fürsten reich genug waren, durch regelmäßige Geldleistungen abgegolten. So entstand unser heutiger Beamtenstaat.
Beides ergab, in Frankreich beispielsweise, eine feste Struktur, nicht aber im östlichen Teilreich der Franken. Hier überwand man zwar das Prinzip der Realteilung, durch das noch das Reich Karls des Großen zerstört wurde, aber der Chef erlangte diese Position auch nicht durch Erbschaft, sondern durch Wahl.
Wer war wahlberechtigt?
Wenn ich das richtig verstanden habe, jeder selbständige Fürst, der reich genug war, um in Person auf dem Reichstag zu erscheinen. Das war natürlich unbefriedigend, also reduzierte Karl IV. deren Zahl auf sieben: vier weltliche und drei geistliche Kurfürsten, aber wie auch immer: es blieb eine Wahl und das bedeutete, dass die wahlberechtigen Fürsten, mochten diese nun Viele oder Wenige sein, sich für ihre Stimme bezahlen ließen. Und die Folge war, dass das Vermögen und die Macht des Kaisers bei jedem Wahlgang immeer mehr dahin schwand, bis nichts mehr übrig geblieben war, bis auf den Titel eines "Römischen Kaisers, allzeit Mehrer des Reichs" und der forderte den Spott seiner Untertanen heraus, denn "ein Mehrer des Reichs" war er seit dem Ende Hohenstaufen längst nicht mehr. Er war am Ende halt nur noch ein Symbol, das am Ende im Wesentlichen den Herrschaftsbereich der Habsburger emotional zusammen hielt, und in dieser Funktion war der Titel am Ende überflüssig und wurde deshalb 1806 abgeschafft. Dass diese Entscheidung dann für Europa katastrophale Konsequenzen haben sollte, konnte Niemand ahnen, auch Metternich nicht, der gleichwohl, wie vor ihm Napoleon, sein Möglichstes tat, diese abzuwenden. Anmerkung: Die Linke, ich meine die geistigen Erben der SED, halten immer noch an der Lgende fest, dass bösartige Agenten des Klassenfeinds die Bevölkerung der DDR gegen ihre legitime Regierung des Staates aufgestachelt hätten, aber so war es nicht. Der Aufstand hatte, ausgehend von der Stalin-Allee alle Städte erfasst, und ein solcher Aufruhr lässt nicht durch Agenten provozieren, nicht einmal dadurch, dass die Menschen Mangel leiden, sehr wohl aber dadurch, dass die Obrigkeit ihre Untertanen emtional unterdrücken und das haben Ulbricht und seine Leute getan - und zwar reichlich. Warum beispielsweise hat die SED die Ruinen des Berliner Stadtschlosses sprengen lassen? Man hätte sie doch als Zeugnis stehen lassen können, dass auch Preußens Gloria vergänglich war, aber das ging nicht, denn der Sachse Ulbricht wollte so Rache nehmen für die Unbill, die die Hohenzollern den Wettinern zugefügt hatten, deshalb musste er "du passé table rase" machen, was dann an vielen weiteren Stellen auch geschah, so in Leipzig, wo die Universitätskirche zwar ausgebrannt war, aber durchaus noch stand, aber nein: auch sie wurde abgerissen. An der Stelle steht heute ein grottenhäßliches Hochhaus. Und dabei hätte Ulbricht von Marx und Engels lernen können, dass man die Geschichte erforschen und kommentieren, nicht aber abschaffen kann. Das geht nicht.
18 Juni 2013
Als Caesar mit seinen Legionen den Rhein erreicht hatte, bezeichnete er, wie gesagt, die Vielzahl der Völkerschaften, auf die er hier traf, als "Germanen", Die Mitglieder der jeweiligen Stämme, also die Cherusker, Ingväonen, Chauken, Chatten, Marser und all die anderen, von denen wir nicht einmal die Namen kennen, wussten nicht, dass die Römer sie so nannten, und sie hatten auch nicht das Bedürfnis, sich einen gemeinsamen Namen zu geben. In einer weiteren Phase bildeten sich dann die Stämme der Schwaben, Franken, Sachsen, Alemannen, Friesen und was sich sonst vorfandWaren das alles lupenreine "Arier", wie das die Rassenlehre der Nazis verlangte?
Natürlich nicht!
Die Bajuwaren beispielsweise, die heutigen Baiern und Österreicher, haben eine höchst komplizierte Frühgeschichte erlebt, die durchaus nicht mehr vollständig zu erhellen ist, aber so viel scheint mir sicher zu sein: Im Falle der Bayern haben wir sicherlich stramme Germanen vor uns, aber sehr wahrscheinlich auch ebensolche Kelten.
Wie gemischt die Bevölkerung sein kann, lehrt das Beispiel meiner Heimat.
Butjadingen (an der Wesermündung), war etwa von 400 vor Christus bis etwa 400 Jahre nach von den Chauken besiedelt, jedenfalls hoffe ich, dass das stimmt. Danach verschwand der germanische Stamm nach England, das die Römer geräumt hatten. Das Gebiet blieb dann einige Jahrhunderte hindurch im Wesentlichen unbewohnt, bis die Friesen einsickerten, denen die Sachsen folgten. Mit anderen Worten: Da der Mensch ein Nomade ist, immer auf der Suche nach Gegenden, wo es ihm besser als als in seiner "Heimat" ergeht, können wir nur den jeweiligen Stand der Dinge feststellen, der sich aber stets ändert, was vielleicht das jeweilige Individuum nicht bemerkt, im geschichtlichen Rückblick aber offensichtlich ist.
Und wie soll da so etwas wie die deutsche Nation entstehen?
Ganz einfach:
Über die Namensgebung, die aber nicht autonom erfolgt, sondern jeweils durch die Anderen, die das Bedürfnis haben, dem Nachbarn oder dem Zuzügler einen Begriff zu geben, der ihn von den eigenen Leuten abgrenzt. Bleiben wir also beim Reich der Franken.
Das Gebiet, das Karl der Große beherrschte, wurde von seinen Erben in drei Teile geteilt, nämlich:
· in einen westlichen Teil, das heutige Frankreich,
· dann in das östliche Teilreich, dem wir vorerst keinen Namen geben wollen,
· und ein Mittelreich, dessen Herrscher, Lothar, auch die Kaiserkrone erbte.
Das war aber nicht das Ende der Auseinandersetzung. Der Westen konsolidierte sich sehr rasch, weil hier zwar die Herrscher wechselten, nicht aber die Dynastie. Zwar folgten auf die Capetinger die Valois und auf diese die Bourbonen, aber all das geschah auf dem Wege des normalen Erbganges, was den Untertanen stets bewußt blieb, weshalb Ludwig XVI. auch, als er angeklagt war, als "Bürger Capet" angesprochen wurde.
Nicht so der ostfränkische Reichsteil.
Hier folgten auf die Karolinger die Sachsen, dann die Hohenstaufen, dann die Luxemburger und schließlich die Habsburger, und sie alle herrschten über ein Reich, das in sich zersplittert war, und zwar nicht nur durch das Feudalrecht, das selbst die westfränkischen Könige nur mühsam überwanden, sondern auch dadurch, dass unter der Römischen Kaiserkrone neben dem Königreich Germanien, auch diejenigen der Langobarden und des Arelats (oder Burgunds) versammelt waren. Hinzu kamen assoziierte Königreiche, wie wir sagen würden. nämlich dasjenige "beider Sizilien" und dann der König von Jerusalem, ein Titel, den die Habsburger bis zum Schluss, also bis 1918 führten. Das alles wurde sozusagen überwölbt durch den Titel des "Römischen Kaisers", der das "Römische Reich" beherrschte, ein Gebilde, das die Juristen des 17. und 18. Jahrhunderts vergeblich zu definieren versuchten, bis sie derartige Versuche aufgaben und von einem "Monstrum" redeten, das nicht zu verstehen sei.
Und wo steckt die deutsche Nation?
Anmerkung: Erdogan droht mit dem Einsatz des Militärs. Damit gesteht er ein, dass seine Autorität auf den Spitzen der Bajonette ruht. Damit kann er in seinem Land die Ruhe wieder herstellen - aber zu welchem Preis? Das wird sich zeigen. Schon Talleyrand wußte: "Bajonette sind zu Vielem gut, abr man sollte sich nicht auf sie setzen." Eines sollte die politische Elite dieses Landes begreifen: Ein Staat, der sich auf Sultan Selim I. beruft, gehört nicht in die Europäische Union. Schlicht: Nein.
Noch ein Punkt:
In Nordenham bin ich offenbar so verhaßt, dass ich weder von der Stadtverwaltung noch von der Kreiszeitung eine Antwort erhalte, wenn ich ein Anliegen habe. Ich frage mich verbissen, welches Verbrechen bewirkt hat, dass ich so geächtet bin. Dabei bin ich doch in den letzten zehn Jahren und noch länger so brav gewesen.
Nun gut, da Niemand mit mir redet, werde ich die Ursache dieses Bannfluchs wohl nie erfahren.
