21 Mai 2013
Die Liebe, das lehrt allein schon die enorme Masse an Literatur über dieses Thema, ist allein schon wegen ihrer Vielseitigkeit, letztedlich nicht zu verstehen und nun kommen die christlichen Pastoren und reduzieren sie allein auf die Funktion der Fortpflanzung. Das kann nicht richtig sein! Und sie tun das mit dem Ziel, die Lust, die mit dem Geschlechtsakt verbunden ist, irgendwie wegzudefinieren, was ihnen natürlich nicht gelingt, denn sie ist da und wird ständig erlebt. Und weil das so ist, bezeichnet der Jesit Fuchs, nach meiner Erinnerung, sie als "Straffolge" der Sünde. Die Lust, die ich bei dem Geschlechtsakt erfahre, ist eine Strafe? Ich denke, dass nur ein emotional amputierter Priester auf eine so hirnrissige Idee kommt. Und er nimmt sie zugleich zurück, denn was ganz allgeei streng verboten ist, wird dann, wenn Mann und Frau verheiratet sind, plötzlich zur Pflicht, denn eine Ehe, die nicht vollzogen wurde, ist nach kirchlichem Recht sozusagen schwebend unwirksam, wo das auch dann nur in der Absicht geschehen darf, wenn damit die Absicht verbunden ist,ein Kind zu zeugen, sagt der hl. Alfons von Liguori. Ich weiß, die römische Kirche ist inzwischen in kleinsten Schritten von dieser lebensfeindlichen Position abgerückt, aber reicht das? Die Lust ist nicht zu töten, wer versucht sie aus der Grootdör hinauszuwerfen, bewirkt nur, dass sie durch die Hintertür der Kunst wieder herein. Hier wird dann das möglich, was doch sonst streng verboten ist. Da zeigen manche Bilder, oh Schreck und Graus, nackte Frauen. Sie bevölkern seit dem Barock, wenn ich mich da richtig erinnere, in großer Zahl seit dem Barock, also seit am 16. Jahrhundert, die Museen. Und wo bleiben die Männer? Ihre Darstellung war schwieriger.Zwar hängt Jesus, mit einem Ledentuch spärlich bekleidet, aber ansonsten nackt, am Kreuz, aber die wichtigsten Körperteile, nämlich diejenigen, aufdie es ankommt, weil sie ihn als Mann ausweisen, werden irgendwie verdeckt, meistens ein Tuch, das ihm irgendwie um die Lenden flattert.
Und dann wird auch dieses Motiv säkularisiert, d. h. nicht so ganz. Die Darstellung eines nackten Mannes muss immer noch durch einen Hinweis etwa auf den hl. Sebstian, der durch Pfeile durchbohrt wurde, oder auf die mythische Figur des Hyazinthos, gerechtfertigt werden. In Bremen reitet sogar ein nackter Kaiser, nämlich der Hohenzoller Friedrich III., durch die Innenstadt. Wie das Werk die Zensur der Zeit passieren konnte, ist mir völlig unklar.
Aber zeigen Seine Majestät den Betrachtern Penis und Hoden?
Ich weiß es nicht.
Denn der Herrscher reitet auf einem hohen Socken, so dass der Betrachter sich die Frage nicht beantworten kann. Und ebenso bei dem englischen Maler Tuke(?), der in großer Zahl nackte Jungs malte, die in Cornwall am Strand oder auf Booten spielten - nackt, ja, aber immer bewirkte ein Ellbogen, irgendein Gegenstand oder ganz allgemein die Haltung des Modells, dass Penis und Hoden unsichtbar blieben - warum diese Zurückhaltung? Bemerkung Warum sind unsere Pazifisten denn so still? Da tobt in Syrien ein entsetzlicher Bürgerkrieg, der das Land zerreißt und vielleicht sogar in naher Zukunft vernichtet: Unendlich viele Tote, schwerste Verwüstungen, Flüchtlingsströme, die Jordanien "destabilisieren" und die Türkei belasten - tja, und was sagen unsere Friedensfreunde? Und was könnten sie sagen? Hier geht es nicht mehr um Gut und Böse, denn auf der einen Seite steht der Diktator Assad, ein grausamer Herrscher, und auf der anderen kämpfen inzwischen Salafisten, die, wenn sie siegen sollten, Syrien in einen Gottesstaat verwandeln würden. Was wäre also zu tun? Keine Ahnung, und ich habe für meine Zurückhaltung nur die Entschuldigung, dass ich auch bloß weiß, was in den Zeitungen ("Marianne" und Le Monde") steht - nur eines ist sicher: Frommes Gesülze, wie es die sog, Brüder von Taizé pflegen, hilft da nichts, im Gegenteil - macht die Sache nur schlimmer.
20 Mai 2013
Irgendwann in meiner Pubertätszeit, vor 60 Jahren oder so habe ich gelesen, dass der Coitus faktisch alle Muskeln des menschlichen Körpers beschäftigt. Und nun füge ich hinzu, die riesige Literatur des Menschen seit 5000 oder oder noch mehr Jahren hat bislang das Phänomen der Liebe auch nicht annähernd vollständig beschreiben, geschweige denn erklären können - wenn das aber so ist: wie wollen das sog. Priester, die sich überdies von einem wichtigen Bereich menschlicher Erfahrung selbst abgeschnitten haben, die Liebe nicht nur erklären, sondern in den Käfig ihrer Gesetzgebung einzwängen?Nein, das geht nicht.
Ich denke, wir sollten bei der schlichten Definition bleiben:
Die Liebe ist die emotionale Zuwendung von Menschen zueinander, welche die Form und die Intensität einer solchen Begegnung selbst bestimmen, wobei Alles erlaubt ist, was im gegenseitigen Einvernehmen geschieht und Dritte nicht schädigt oder gefährdet.
Sollte das nicht reichen?
Aber wenn wir das als "Liebe bezeichnen: was wird dann aus den Gesetzen des hl. Alfonso von Liguori?
Ja, sie treten schlicht außer Kraft, denn die Liebe, so heißt es in der Operette zu Recht, ist eine Himmelsmacht. Das heißt:
Die Liebe kennt kein Gebot, bricht jedes Gesetz und hat immer Recht.
Wie das?
Rechtfertige ich damit die Vergewaltigung?
Oder die Päderasterie?
Oder den Sexualakt mit Tieren, etwa mit Deutschen Doggen? Keineswegs!
Wer einen anderen Menschen liebt, wird Nichts tun, was diesen schädigt oder auch beleidigt. Und dass dies bei einer Vergewaltigung geschieht, versteht sich wohl von selbst. Und im Falle der Päderasterie fehlt das gegenseitige Einvernehmen, denn der Erwachsene kann niemals Sexualpartner eines Kindes sein, wie Jeder bei Günther Amendt nachlesen kann. Und der Sexualverkehr mit Deutschen Doggen? Kann der Mensch einvernehmlich mit einem Hund oder einem anderen Tier handeln? Ganz sich nicht: Nein. Die Erotik bleibt das Privileg, das Menschen miteinander verbindet, wenn sie verantwortlich und freiwillig handeln - alles Andere ist in der Tat unatürlich und deshalb pervers.
Darf ich das so sagen?
Die Liebe als einvernehmliches, emotional motiviertes Handeln ist die höchste Form menschlicher Freiheit. Irgendwann in meiner Jugend habe ich die Novelle "Das Erdbeben in Chili" von Heinrich v. Kleist gelesen, der hier genau diesen Satz illustriert: Eine junge Frau und ein junger Mann lieben sich und verletzen dabei so ziemlich alle einschlägigen Vorschriften der Römische Kirche. Sie werden als zum Tode verurteilt, aber bevor der Scharfrichter tätig werden kann, ereignet sich ein furchtbares Erdbeben, durch das die Liebenden wie durch ein Wunder frei kommen. Nun stellt sich die Frage, ob die Kirche die beiden Menschen, die ersichtlich von der Natur begnadigt wurden, trotzdem bestraft werden sollen. Die Entscheidung des Bischofs ist klar und gnadenlos: Das Urteil wird vollstreckt, denn: was die Kirche sagt, gilt, nicht was die Natur geregelt hat.
So habe ich die Geschichte in Erinnerung.
Und verfährt die römische Kirche nicht auch heute noch mit derselben dogmatischen Grausamkeit?
Nehmen wir zwei Männer, die sich lieben und...
Ja, was ich hier auslasse, kommt vor, schädigt aber Niemanden und das geht auch Dritte nichts an.
Mit welchem Recht mischt sich hier die Römische Kirche ein, um ein solches Paar zu verurteilen?
Und das tut sie - immer noch.
Gewiss: vordergründig geht es irgendwelche Steuerfragen, aber das ist natürlich Unfug, tatsächlich erlassen die Priester ein "Liebesverbot". Sie untersagen also ein Gefühl, das in ganz anderem Zusammenhang, wenn auch als Ausnahme, sogar verlangt wird.
Kann man Gefühle anordnen?
Nein, das geht nicht.
Oder verbieten?
Auch nicht.
Sie sind entweder spontan da - oder manipuliert und damit vorgetäuscht.
Wir sehen:
Wie brauchen uns gar nicht eine so dramatische Situation vorzustellen, wie sich Heinrich v. Kleist ausgedacht - der ganz gewöhnlich "seelsorgerliche" Alltag eines katholischen Priesters lehrt, dass das, was die Römische Kirche nicht nur ihren Schafen, sondern Allen als Sexualethik verkauft, nichts weiter ist als Ergebnis einer eine Art selischer Zwangs-Amputation des Menschen. Und gilt diese Kritik nur der Sancta Romana Ecclesia? Nein, keineswegs.
Ich meine mit ihr alle christlichen Organisationen, mögen sie nun allein seelig-machend sein oder nicht. Anmerkung: Ich muss noch etwas ergänzen:
Natürlich meine ich mit den Gefühlen hier solche Gemütsregungen, die der Mensch spontan entwickelt wie etwa die Liebe, den Hunger, die Angst vor dem Tod oder die Furcht vor dem Examen - gibt es noch mehr? Mir fällt da nichts weiter ein.
Darüber hinaus kennen wir auch solche Gefühle, die wir haben sollen, aber nicht haben, weswegen sie uns, etwa in der Schule oder in der Kirche "insinuiert" werden, was möglich ist wei wir so die Anerkennung der Gruppe erfahren, zu wir hier gehören.
Ein Beispiel:
Die wilhelminische Flottenrüstung hatte zur Folge, dass der "gute" Deutsche nicht nur die Juden - die vor Allem - und die Franzosen hasst, und wenn er Sozialdemokrat war: auchdie Russensondern auch und dann, ab 1890. die Engländer hasste.
"Gott strafe England."
Dieser Slogan begleitete deutsche Mariner in zwei Weltkriegen und führte zu absurden Handlungen, was ich im Laufe dieses Tagebuchs an zwei Beispielen dargestellt habe Und heute?
Wo ist der Hass der Deutschen auf England geblieben?
Weg!
Einfach weg.
Das wäre nicht möglich, wenn wir es hier mit einem Gefühl zu tun hätten, das vergleichbar wäre, mit dem, was Menschen miteinander verbindet.
Es gibt also Gefühle, die im Wesen des Menschen begründet sind, und solche, die das Ergebnis einer mitunter langen Manipulation, die oft genug zusätzlich dogmatisch, also schein-rational, begründet werden. Dazu gehören alle Nationalismen, doch für heute genug dacon.
