14 Januar 2010
Hat es Jesus überhaupt je gegeben?Die Frage war zuerst im 18. Jahrhundert aufgetaucht – und ist bis heute nicht verstummt. Und sie ist berechtigt – zu schreiend sind die Widersprüche in den Evangelien. zu offensichtlich die Anleihen aus anderen Mythen, und zu gering die verifizierbare Substanz.
Liegt es da nicht auf der Hand, dass wir es bei dieser Person mit einem reinen Phantasie-Produkt zu tun haben? Wer würde denn heute, sagen wir, vermuten, dass, sagen wir, Wotan einmal eine reale Person war, die dann von ihren Verehrern vergöttlicht wurde?
Auch wenn, nach meiner Erinnerung, diese Theorie von irgend Jemandem vertreten wurde – durchgesetzt hat sie sich nicht.
Und warum sollte das bei Jesus anders sein? Ich will auf die Einzelheiten dieser Diskussion nicht eingehen; sie füllt heute viele Bücher, und nur referieren, nach meinem Eindruck inzwischen der Konsens unter den Historikern sein dürfte:
Danach wurde Jesus in Nazareth geboren. Sein Vater Josef besaß ein mittelständisches Bauunternehmen, wie wir sagen würden. Seine Mutter hieß Maria, und sie hatte, außer Jesus selbst, mehrere Söhne und Töchter hatte. Man geht heute davon aus, dass der Held unserer Geschichte im Jahre 4 vor der Zeitenwende geboren wurde. Er arbeitete zunächst vermutlich im Betrieb seines Vaters und entdeckte dann seine Fähigkeit, neurotisch motivierte Krankheiten zu heilen. Er war also, als Arzt tätig und verband dies mit Predigten, in denen er eine uns sympathische Theologie vertrat. Dadurch erlangte er eine gewisse Popularität.
Mit etwa 30 Jahren, also im Jahre 26, vielleicht auch später, wurde er von den Römern gekreuzigt. Warum das geschah, wissen wir nicht.
Alles in allem also eine völlig nichtsagende Biographie, die, wie viele Andere dieser Art, vergessen worden wäre, wenn nicht ...
Und jetzt geraten wir in den Bereich der Spekulation. Ich gehe also davon aus, dass es zwar einen Juden gegeben hat, der wahrscheinlich sogar Jesus hieß. Das war ein damals durchaus gebräuchlicher Name, der etwa unserem „Gotthilf“ entspricht. Genau bezeichnet er Jemanden, der einen Ausweg weiß. Aber dass dieser Mann
· keine eigene Botschaft hatte,
· wirkte keine Wunder gewirkt hat. und
· wurde sogar für seine Zeit sogar relativ relativ alt. Keine eigene Botschaft?
Nein, denn der historische Jesus predigte das, was zu seiner Zeit die allgemeine Überzeugung der Juden war, nämlich dass das Ende der Welt nahe sei und man deshalb Buße tun müsse,
Keine Wunder?
Hat Jesus einem Menschen das Bein, das ihm amputiert wurde, nachwachsen lassen? Ja, das wäre ein Wunder gewesen – Blinde das Augenlicht wieder zu geben, Lahme erneut gehen zu lassen, ja, Tote auferwecken – das kriegt auch heute noch jeder evangelikale Prediger hin, wenn die Patienten entsprechend präpariert und die Gemeinde daraufeingestimmt ist.
Und sein Tod?
Auch das war banal, denn um am Kreuz zu endigen, genügte es damals, dass ein Sklave eine eiserne Waffe besaß, und der Wanderprediger Jesus war seinem sozialen Status nach nicht viel mehr. Es genügte, um so zu sterben, dass ein römischer Offizier der Ansicht war, einen Aufrührer vor sich zu haben und schon war das Malheur passiert.
Gehen wir also von einem Mann aus, der faktisch keine eigene Geschichte hatte.
Wie konnte er dann zum Gott aufsteigen?
Eben deshalb!
Noch einmal von vorne:
Jesus hatte also, wie uns die synoptischen Evangelien übereinstimmend sagen, seine Familie verlassen und wanderte nun, begleitet von seinen Schülern, durch Galiläa, wo er predigte und Kranke heilte. Dabei sammelte er Spenden ein, von denen er und sein Anhang lebten.
Und was sagte er?
Auch das können wir im Neuen Testament nachlesen: Hier lernen wir in Jesus einen Mann kennen, der einmal der Schüler eines anderen Wanderpredigers war, den wir als „Johannes den Täufer“ kennen. Das war offenbar ein sehr strenger Bußprediger gewesen, der, wie Viele zu dieser Zeit, die Ansicht vertrat, dass die Welt bald untergehen werde, und dass die Menschen, um das Ereignis zu erwarten, Buße tun sollten, und darunter verstand man, dass man seinen Leib kasteite. Johannes der Täufer kleidete sich also in kratzige Gewänder und aß Heuschrecken sowie wilden Honig, der zwar gut schmeckt, aber selten zu finden ist.
Von diesem Mann hat sich Jesus offenbar getrennt.
Und warum?
Jesus war zwar ebenfalls der Ansicht, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorstehe, aber er konnte nicht einsehen, dass man sich deshalb quälen solle – im Gegenteil:
· Jesus „aß und trank“, womit gemeint ist, dass er Fleisch und Wein zu sich nahm und es auch sonst in jeder Hinsicht schmecken ließ,
· war gerne Gast bei den Schönen und Reichen im Lande hin und her,
· genoss vor allem seine Sexualität und das, wie im Altertum üblich, mit dem Jünger, den er liebte, und der bei dem letzten Abendmahl „in seinem Schoße“ lag.
Und seine Botschaft?
Sicherlich trat auch Jesus – jedenfalls derjenige, von dem ich hier rede – dafür ein, dass die Menschen Buße tun sollten – aber was meinte er damit? Anmerkung: Ich schnüstere zur Zeit beim Frühstück in einem Band herum, in dem die Berichte zusammengetragen sind, welche vor allem Journalisten nach seinem Rücktritt über Gespräche mit dem Fürsten Bismarck geschrieben habe, und finde da bestätigt, was ich schon früher gefunden habe, nämlich das der erste Reichskanzler in der persönlichen Kommunikation von einer erstaunlichen Offenheit war. Er beherrschte die Kunst, niemals zu lügen, auch wenn er die Unwahrheit sagte. Seine Ehrlichkeit und seine natürliche Liebenswürdigkeit erzeugten das Klima des Vertrauens, in dem die Politik möglich war, die dann zu den Ergebnissen führte, welche wir kennen. Möglicherweise ist das sogar das Kennzeichen großer Politiker, denn ich glaube, dasselbe sowohl von Stresemann als auch von Adenauer aussagen zu können. Und unsere heutige Politiker-Clique? Deren Verlogenheit geht so weit, dass ich bei jeder Aussage mich bemühen muss, das, was diese Personen sagen, in das zu übersetzen, was sie meinen. Auf sie trifft der Witz zu, den sich Juden erzählt haben. Der geht so: Schmuel trifft in der Eisenbahn den Jizchak und fragt ihn:
„Wohin fährst du?“
Sein Gegenüber antwortet:
„Nach Lublin!“
Schmuel läuft rot an vor Empörung, während er sagt: „Sagst Du, dass Du fährt nach Lublin, damit ich denke, dass du fährst nach Sandomir, aber ich weiß, dass du wirklich nach Lublin fährst – also warum lügst du?“
Das etwa ist die Logik unserer Politiker, etwa wenn der Verteidigungsminister den Soldaten sagt, dass der Angriff auf die Tanklastzüge in Kundus militärisch richtig war, den Zivilisten in der Heimat aber versichert, dass er falsch gewesen sei, was denn nun?
Oder noch grundsätzlicher:
Die Politiker behaupten, dass die Bundesrepublik in Afghanistan keinen Krieg führe, setzen aber Militär ein, deren Zweck eben der Orlog ist, und ringen sich dann dazu durch, die Zustände dort als „kriegsähnlich“ zu bezeichnen.
Was denn nun?
Wie soll ich als Untertan dieser Republik Vertrauen zu einer Clique fassen, die nicht in der Lage ist, einen Krieg auch als Krieg zu bezeichnen, und mir stattdessen zumutet, dass ich ihren Lügen glaube, obwohl sie natürlich jeder als solche durchschaut?
Natürlich ist der Nazi-Barde August Hinrichs immer noch der Schandbürger Oldenburgs. Hier gibt es Niemanden, der öffentlich dagegen protestiert, dass die politische Elite dieser Stadt sich so ohne Ausnahme mit der Ideologie identifiziert, die zu den Verbrechen von Langemarck, Verdun, Auschwitz und Rostock-Lichtenhagen sowie Solingen motiviert hat und noch motiviert. Pfui. Und nun noch etwas Reklame: Klaus Dede Von böser Lust und rechter Freudigkeit Die Kampagne der Priester, Pastoren, Ärzte und Lehrer gegen das unglaublich gemeine Laster der zerstörerischen Selbstbefleckung Aachen 2009, Shakermedia, 223 Seiten, 19.90 Euro Und noch ein Hinweis: Im Melzer-Verlag (Bermondstr. 9, 63263 Neu-Isenburg) erscheint alle zwei Monate die Zeitschrift „Semit“, die ich hier dringend empfehlen möchte. www.dersemit.de
