17 Januar 2010

Ich bin also der Ansicht, dass Jesus aus Nazareth wirklich gelebt hat. Dabei weiß ich wohl, dass es, abgesehen vom Neuen Testament, keine Quelle gibt, die diese Behauptung bestätigt – und die ist unsicher genug. Den ältesten Hinweis auf die historische Existenz Jesu finden wir bei Paulus, aber der ist auch nur ein Zeuge vom Hörensagen, wie das in amerikanischen Krimis heißt, der also von ihm gehört, ihn aber selbst nie gesehen oder gar gesprochen hat, und dasselbe gilt für die Autoren der drei synoptischen Evangelien – zwischen dem Tod unseres Helden und den ersten Berichten über sein Wirken liegen mindestens dreißig Jahre, also nach damaliger Rechnung ein Menschenalter. Mit anderen Worten: Wir kennen nur Berichte über Jesus, aber nichts, was wir direkt auf ihn zurückführen könnten.

Liegt da nicht der Gedanke nahe, dass das alles nichts weiter ist als schlichte Phantasie?

Ein zweites Argument:

Wenn wir den Evangelisten glauben wollen, dann hat Jesus zu seiner Zeit durch die Wunder, die er wirkte, ein enormes Aufsehen erregt, ja, er ist triumphal in Jerusalem eingezogen, aber wir finden bei den anderen Schriftsteller dieser Zeit keinen Hinweis auf diesen Mann, obwohl die Zeit gut dokumentiert ist. Und nehmen wir die Wunder, die doch vermutlich Aufsehen erregt haben gibt es irgendwelche Zeugen, die von ihnen berichten?

Nein, nicht einen einzigen.

Und schließlich seine Aussagen, die seit zweitausend Jahren die Federn der Kommentatoren in Bewegung halten – sie entpuppen sich bei nähere Betrachtung als abgeschrieben oder nichtssagend. Nehmen wir als Beispiel die „Goldene Regel“. Sie findet sich in jeder Religion der Erde, in der so etwas wie eine Ethik vertreten wird:

„Was Du nicht willst, das man dir tu,

das füge keinem andern zu.“

(In der Fassung der SA: Was du nicht willst, was man dir tu.// das füge einem Anderen zu.")

Mit Anderen Worten: Auf dieses Prinzip kommt mit ein bißchen Nachdenken jeder.

Mim sagte er ja nicht nur das.

Vielmehr verlangt Jesus von seinen Anhängern, dass sie ihre Feinde lieben, aber das ist jüdische Ethik, um die sich Christen, zum Beispiel die Pastoren Dede in Nordenham und Bad Zwischenahn, nie gekümmert haben Jesus soll also ein so bedeutender Mann gewesen sein, dass wir noch heute von seiner Geburt an die Jahre Zählen, und von dem hat zu seinen Lebzeiten Niemand etwas bemerkt?

Wie ist das möglich?

Nun lässt sich diese Schwierigkeit ohne weiteres beseitigen, wenn wir zugeben, das Jesus kein Aufsehen erregt hat, weil er völlig unbedeutend war. Prediger wie ihn gab es in großer Zeit und sie alle verkündeten, dass das Himmelreich nahe herbei gekommen sei und dass man deshalb Buße tun solle.

Und sein Tod am Kreuz?

Nun, das war leider das Schicksal vieler Menschen.

Und die Wunder?

Sie haben allesamt nicht stattgefunden.

Und der triumphale Einzug nach Jerusalem?

Ebenfalls nichts weiter als Phantasie.

Und was bleibt, wenn wir das alles streichen?

Nichts.

Jedenfalls nichts, was das Interesse der Zeitgenossen hätte erregen können.

Damit hätten wir zum einen erklärt, warum die Zeitgenosse von Jesus keine Notiz genommen habe.

Aber es muss noch erklärt werden, warum die Schüler Jesu, die es wohl gegeben hat, eine Generation lang geschwiegen haben und dann aber plötzlich anfingen, Evangelien zu schreiben, von denen vier in das Neue Testament der Christen aufgenommen wurden.

Beginnen wir mit einer allgemeinen Erwägung.

Von Buddha nehmen wir an, dass er wirklich gelebt hat, Prinz einer indischen Dynastie war und irgendwie der Gründer der nach ihm genannten Philosophie wurde.

Auch Zarathustra soll wirklich existiert habe, obwohl wir viel mehr von ihm nicht wissen.

Auch der „Lehrer der Gerechtigkeit“ hat, wie wir meinen, wirklich gelebt.

Namen und die ungefähre Lebenszeit, mehr ist nicht bekannt.

Und woher?

Nun, wir schließen das aus der Überlieferung.

Von Jesus wissen wir aber weit mehr:

· Zunächst kennen wir seinen Namen,

· dann den Ort seiner Geburt, nämlich Nazareth.

· Wir erfahren sogar die Namen seiner Eltern,

· den Beruf des Vaters,

· dann dass er Geschwister gehabt hat.

· Wir erfahren weiter, dass er, wie damals üblich, einen Geliebten hatte, der einmal – anlässlich des letzten Abendmahls – sogar ausdrücklich genannt wird, aber auf den es weitere Hinweis gibt. Jesus war also, wie wir sagen würden, schwul.

· Darüber hinaus wurde er von Schülern begleitet, die eine feste Gemeinschaft bildeten, in der es eine Hierarchie gab, aus der sich Rangstreitigkeiten ergaben.

So verwaltete Judas aus Karioth die Finanzen.

· Außerdem war die Gruppe bewaffnet.

· Als Arzt und Prediger war Jesu auf beiden Ufern des Sees Genezareth tätig.

· Er unternahm Ausflüge in den heutigen Libanon, woraus wir schließen können, dass er neben Aramäisch auch Griechisch sprach.

· Also wird er auch nach Jerusalem gewandert sein, wo er von der römischen Besatzungsmacht aus Gründen, die wir nicht kennen, nicht von den Juden, gekreuzigt wurde.

Das alles entnehmen wir, bis auf den Hinweis auf seinen Geliebten, den synoptischen Evangelien und ist heute unter Theologen auch nicht umstritten, was nicht bedeutet, dass sie das auch in ihren Gemeinden so sagen.

Und das sollten sich die Autoren der Evangelien, die sich unter einander vermutlich nicht kannten, ausgedacht haben

? Von Buddha kennen wir Namen und Herkunft – sonst nichts, und vom „Lehrer der Gerechtigkeit“ nicht einmal das, und dennoch sind wir der Meinung, dass es sich hier um historische Persönlichkeiten handelt und Jesus, von dem wir weit mehr wissen, soll ein Produkt der Phantasie sein? Nein, das ist nicht möglich.

Zumal uns Jesus in den synoptischen Evangelien als ein Mensch entgegentritt und durchaus nicht als ein Gott.

Anmerkung:

Der Schnee deckt alles zu. Und im übrigen beherrscht das entsetzliche Erdbeben in Haiti die Nachrichten. Und mir fällt nichts ein. Also nichts weiter. Natürlich ist der Nazi-Barde August Hinrichs immer noch der Schandbürger Oldenburgs. Hier gibt es Niemanden, der öffentlich dagegen protestiert, dass die politische Elite dieser Stadt sich so ohne Ausnahme mit der Ideologie identifiziert, die zu den Verbrechen von Langemarck, Verdun, Auschwitz und Rostock-Lichtenhagen sowie Solingen motiviert hat und noch motiviert. Pfui. Und nun noch etwas Reklame: Klaus Dede Von böser Lust und rechter Freudigkeit Die Kampagne der Priester, Pastoren, Ärzte und Lehrer gegen das unglaublich gemeine Laster der zerstörerischen Selbstbefleckung Aachen 2009, Shakermedia, 223 Seiten, 19.90 Euro Und noch ein Hinweis: Im Melzer-Verlag (Bermondstr. 9, 63263 Neu-Isenburg) erscheint alle zwei Monate die Zeitschrift „Semit“, die ich hier dringend empfehlen möchte. www.dersemit.de