22 Januar 2010
Wenn ich ein „Leben Jesu“ schreiben wollte, würde ich dabei diese Punkte betonen:· Jesus war ein Mensch – nichts weiter, und nicht einmal ein bedeutender. Es gibt keine Erfindung, keine philosophische Idee, keine humanitäre Leistung die ihn irgendwie aus der grauen Masse seiner Zeitgenossen hervorgehoben hätte.
· Dann war er ein Mann mit Penis und Hoden, also mit sexuellen Bedürfnissen, die er auch ausgelebt hat, und zwar vornehmlich mit Männern, von denen wir einen näher identifizieren können.
· Jesus war ein Jude, der nach den Gesetzen seiner Religionsgemeinschaft lebte und diese auch nicht zu ändern trachtete.
· Und er sprach, wie unter den Gebildeten seiner Zeit üblich, Griechisch. Er war also zugleich tief von der hellenistischen Kultur beeinflusst, vielleicht ohne dass ihm das bewusst war.
· Er war der Sohn eines mittelständischen Bauunternehmers, lebte aber zum Schluss von den Honoraren, die er als Psychotherapeuth erzielte.
· Dabei übte er sein Gewerbe im Umherziehen aus.
· Jesus erfreute sich eines großen sozialen Ansehens und bewegte sich in Kreisen des gehobenen Bürgertums seiner Zeit. Seine Gesprächspartner waren Bankiers, Juristen und wohlhabende Frauen.
· Aus den politischen Konflikten seiner Zeit versuchte sich Jesus herauszuhalten.
· Trotzdem wurde er von den römischen Soldaten aufgegriffen und als Rädelsführer einer bewaffneten Bande hingerichtet.
Ende der Biographie.
Nicht aber der Gruppe
Und um diese Geschichte zu verstehen, müssen wir von zwei Feststellungen ausgehen:
1. Jesus wurde von den Römern verhaftet und gekreuzigt. Die Juden hatten weder ein Motiv noch die Möglichkeit, ihn hinzurichten. Wenn sie das getan hätten, wäre er gesteinigt worden, aber das ist nicht geschehen. Er wurde, in diesem Punkt sind sich die Evangelisten einig, gekreuzigt. Das aber war die Strafe, die üblicherweise an Sklaven und an solchen Menschen, die ihnen gleichgestellt waren, vollstreckt wurde. Es ist also zu klären, warum es für die Christen wichtig wurde, dass die Juden Jesus gekreuzigt haben, wie man später behauptete, oder aber warum die Juden die Besatzer dazu anstifteten, mit ihm so zu verfahren, wie sich diejenigen ausdrückten, welche die Passionsgeschichten gelesen hatten.
2. Warum aber war es den Anhängern des Jesus so wichtig, das Verbrechen den Juden, also den eigenen Glaubensgenossen, anzulasten und damit die römische Besatzungsmacht zu entschuldigen? Denn eines ist deutlich: Die Feindschaft gegen die Juden, oder modern gesprochen: der Antisemitismus ist der eigentliche Kern der Religion, die sich nun im Anschluss an den Kreuzestod Jesu entwickelte, und damit die letzte Ursache für das Verbrechen, das wir heute mit dem Ortsnamen „Auschwitz“ bezeichnen.
Das also ist der Punkt, den ich erklären möchte. Dabei sei eines hier in möglichster Klarheit gesagt: In dieser grauenhaften Geschichte sind die Juden die Opfer und nichts weiter als die Opfer einer, wie ich meine, im welthistorischen Maßstab einmaligen Hetzkampagne, deren Subjekte und damit Schuldige oder Verantwortliche einmal die Christen sind, und damit meine ich alle Christen, egal welcher Konfession bzw. Denomination sie im Einzelnen angehören mögen, dann aber auch diejenigen, die dieses Ressentiment übernommen und für ihre Zwecke eingesetzt haben, also, um konkret zu werden, die Deutschnationalen, aber auch die Bolschewiken und wer sich sonst in dem Angebot vorfindet.
Die Geschichte dieses Verbrechens beginnt also damit, dass der Seleukide Antiochos Epiphanes eine Zeus-Statue auf dem Tempelberg errichten lässt und damit das erste Pogrom der Geschichte gegen die Juden als Juden einleitet und setzt sich dann in den christlichen, deutschnationalen und bolschewistischen Verfolgungen dieser Menschen fort und findet heute ganz sicher nicht mit der antijüdischen Hetze in den arabischen Ländern ihr Ende.
Der Streit zwischen den Zionisten auf der einen und den Salafisten auf der anderen Seite hat also eine sehr lange Geschichte, und entsprechend geduldig müssen diejenigen sein, die an der Lösung des Konflikts arbeiten. Und wenn wir nach einer Ursache suchen, dass müssen wir nach etwas fahnden, was Antiochos Epiphanes im zweiten Jahrhundert a. Chr. irgendwie sowohl mit den Salafisten als auch mit der Mehrheit des Oldenburger Rates und dann zu allem Überfluss auch noch mit den rechten Zionisten verbindet.
Ob mir das gelingen wird?
Wie auch immer: Vor allem aber müssen wir unbeirrlich daran festhalten, dass die Juden als Juden keine Schuld an all dem Unglück tragen, das durch den Antisemitismus in die Welt gekommen ist.
So, ich hoffe, dass jetzt auch Rosemarie Schumann versteht, um was es mir geht, wenn ich diesen Punkt erörterte.
Kehren wir also zum Jahre 30 p. Chr. zurück: Jesus hängt tot am Kreuz, sein Eronemos ist nackt vom Schauplatz des Geschehens geflohen und seine engsten Anhänger verkriechen sich verwirrt in einer Privatwohnung in Jerusalem, wo sie versuchen, das zu verstehen, was so plötzlich über sie herein gebrochen ist.
Das ist die Geburtsstunde einer neuen Religion: des Christentums.
Anmerkung: Lafontaine ist wieder da. Er hat eine programmatische Rede gehalten, der ich völlig zustimmen kann – bis auf einen Punkt: Dass er die Kriege im Irak und in Afghanistan ablehnt, ist richtig, und dass er überhaupt eine pazifistische Haltung einnimmt, ehrt ihn – nur funktioniert das nicht, weil der Krieg (übrigens auch der Terror) immer noch ein Mittel der Politik ist. Neu ist heute, dass für uns eine Welt, in der kein Orlog mehr stattfindet, vorstellbar ist und damit auch mit konkreten Mitteln angestrebt werden kann. Und das kann man zum Gegenstand der Politik machen. Das bedeutet konkret: wenn ich die politische Verantwortung trüge, hätte ich dem Krieg der Nato gegen Miloschewitz ebenso zugestimmt wie dem gegen Hussein, als es um den Schutz Kuweits ging, nicht aber den Kriegen gegen den Irak und gegen Afghanistan, wie es überhaupt absurd ist, dass die Amerikaner mit dem „Krieg gegen den Terror“ eine Methode bekämpfen, die sie selbst einsetzen, wenn das ihren Interessen dient oder zu dienen scheint. Solch ein Unsinn muss ins Auge gehen, zumal in die Pupille. Im übrigen zeigt die Rede, dass die Linke ohne Lafontaines nichts mehr ist. Und im übrigen müsste nach dieser Rede unser Leberecht Hühnchen in Oldenburg mit seinem Wilhelmshavener Anhang aus dieser Partei austreten, weil sie das, was ihr Vorturner gesagt hat, nicht billigen könnten, wenn sie es verstehen würden, was aber nicht der Fall ist. Natürlich ist der Nazi-Barde August Hinrichs immer noch der Schandbürger Oldenburgs. Hier gibt es Niemanden, der öffentlich dagegen protestiert, dass die politische Elite dieser Stadt sich so ohne Ausnahme mit der Ideologie identifiziert, die zu den Verbrechen von Langemarck, Verdun, Auschwitz und Rostock-Lichtenhagen sowie Solingen motiviert hat und noch motiviert. Pfui. Und nun noch etwas Reklame: Klaus Dede Von böser Lust und rechter Freudigkeit Die Kampagne der Priester, Pastoren, Ärzte und Lehrer gegen das unglaublich gemeine Laster der zerstörerischen Selbstbefleckung Aachen 2009, Shakermedia, 223 Seiten, 19.90 Euro Und noch ein Hinweis: Im Melzer-Verlag (Bermondstr. 9, 63263 Neu-Isenburg) erscheint alle zwei Monate die Zeitschrift „Semit“, die ich hier dringend empfehlen möchte. www.dersemit.de
