25 Januar 2010

Zunächst können wir also eine sehr enge emotionale Bindung der Jünger an ihren Lehrer unterstellen, die durchaus erotische Formen annehmen konnte, was dann später, wenn auch in sehr verfremdeter Form, in die Tradition vor allem der Römischen Kirche einging. Die gemeinsame Liebe zum Lehrer war also zunächst die Basis der Gemeinschaft, aber daraus ergab sich die Frage, wer denn dem Meister emotional am nächsten gestanden haben und deshalb die Führung der Gruppe übernehmen dürfe, aber in diesem Punkt ließ sich schwerlich eine Einigung finden:

· Der Jünger, der beim letzten gemeinsamen Essen im Schoße Jesu lag, schied aus diesem Wettbewerb offenbar als Erster aus. Er war offenbar schon unmittelbar nach der Kreuzigung aus der Gemeinschaft der Jünger ausgeschieden.

· Dann spielten zu Lebzeiten Jesu Johannes und Jakobus wohl als Oberjünger eine gewisse Rolle.

· Petrus muss auch in dieser Reihe genannt werden, vermutlich als eine Art Manager.

Es gab also, als Jesus starb, bereits seine in sich gefestigte Gruppenstruktur, die aber sicher nicht in nur einem Jahr entstanden sein kann, sondern eine längere Frist benötigt hatte, um so zu entstehen, wie sie im Neuen Testament geschildert wird.

Aber die hätte die Kreuzigung ihres unumstrittenen Herrn kaum überstanden, wenn es da nicht ein Zweites gegeben hätte, was zur Ausbildung dessen führte, was wir heute als „Kirche“ bezeichnen, nämlich die Botschaft. Nun wissen wir, dass Jesus selbst eine solche nicht hinterlassen hat.

Für diesen Mangel lassen sich zwei Gründe denken:

· Jesus selbst rechnete in keiner Weise damit, dass er von den Römern ergriffen und getötet werden würde und hatte deshalb keinerlei Vorkehrungen für diesen Fall getroffen, also weder einen Nachfolger benannt noch seine Botschaft formuliert.

· Dann mag es auch so gewesen sein, dass er sich nur als Arzt verstand, der, wie gesagt, sein Gewerbe im Umherziehen ausübte. Im Falle seines Todes wurde halt die Praxis geschlossen, und weil er keinen Besitz hatte, gab es auch keine Erben, also war jede Vorsorge gegenstandslos.

Und die Gruppe also solche?

Nun, dass sie inzwischen eine sich selbst tragende Struktur entwickelt hatte, muss den Schülern Jesu durchaus nicht bewusst gewesen sein. Auch sie können sich zunächst in dem Gedanken versammelt haben, dass sich der Kreis bald wieder auflösen werde, zumal der Einzige, der die Gemeinschaft zusammen gehalten hatte, tot war.

Oder nicht?

Das Grab war leer, berichteten die Frauen, die dort gewesen waren.

Vielleicht hatte ja Josef von Arimethia seinen Entschluss, einen Verbrecher dort zu begaben, bereut?

Oder die Römer hatten den Leichnam beschlagnahmt, damit er nicht zum Gegenstand eines Kults werden konnte?

Oder die Jünger hatten ihn gestohlen, um so den Mythos von der Auferstehung Jesu in Gang zu sitzen?

Oder er war tatsächlich von den Toten auferstanden?

Die Gerüchte wucherten, als sich die Jünger in Jerusalem versammelten – spontan?

Sicher nicht.

Es muss da jemand gegeben haben, der ein Lokal bezeichnete, wo alle – immerhin reden wir von einer Gruppe von einem Dutzend, vielleicht auch mehr Menschen, denn wir wissen nicht, wie viele es wirklich waren. die zusammen kamen. Eine solche Versammlung musste einen Leiter haben, der die Tagesordnung festlegte und überhaupt die Organisation in der Hand hatte. So etwas macht sich nicht von alleine, und den Mann, der sich sozusagen um die Brötchen kümmerte, kennen wir vermutlich sogar: Petrus.

Man kam also formlos zusammen und bei diesen Treffen hat man sich dann dessen erinnert, was man mit dem Jesus aus Nazareth erlebt hatte –

. wie er zu Tode gekommen war,

· was er gesagt

· und was er getan hatte.

In dieser Reihenfolge.

Und dabei strich natürlich jeder seine Rolle heraus, sofern er denn überhaupt eine gespielt hatte, Und dieser Prozess verdichtete sich dann zu dem, was dann zum Mythos der Auferstehung wurde. Rudolf Bultmann brachte diesen Prozess in die Formel, dass Jesus in das Kerygma auferstanden sei, also in die Botschaft der Kirche. Und das ist sicherlich die Basis all dessen, was nun folgte.

Denn es kam noch etwas hinzu:

Die Gruppe, die sich jetzt bildete, war von Jesus gegründet worden, auf ihn fixiert und ohne ihn gar nicht vorstellbar, Also konnte sie nur weiter existieren, wenn auch ihr Erasthes noch weiter lebt, der allerdings, weil er zur Zeit abwesend war, durch einen Anderen vertreten wurde.

Durch wen?

Diese Frage beschäftigt die Berufschristen noch bis heute:

· Die Katholiken sagen, dass dies der Papst sei,

· die Lutheraner meinen, dass der einzelne

Gemeindepfarrer diese Rolle spielt, allerdings nur in seiner Parochie,

· während für die Calvinisten die jeweilige Gemeinde an die Stelle Christi getreten ist.

So entsteht in der Gemeinschaft der Jünger ganz spontan die Struktur, die wir in den späteren Kirchen und Gemeinden wieder finden.

Das alles war hätte keinen Bestand gehabt, wenn diese Organisation nicht der Träger einer Botschaft gewesen wäre, die sich auf Jesus zurück führen ließ. Und schließlich musste das, was wir heute als „Kirche“ bezeichnen, eine soziale Funktion haben. Das soll uns in den nächsten Schritten beschäftigen Anmerkung: · Die FDP ist seit der Bundestagswahl von 15 auf 10 Prozent der Wählergunst abgestürzt. Das sind noch fünf Prozent zu viel. Hoffentlich spricht sich herum, dass es sich bei dieser Clique um eine verlegene Klientelpartei handelt, die ihre Dienste meistbietend auf dem Markt verhökert. Aber sind die anderen Parteien besser? · Nein, nicht der Iran ist die größte Gefahr für den Weltfrieden, sondern die Koalition der rechten Zionisten und der Evangelikalen der USA, gegen die sich auch Obama nicht durchsetzen kann. Sie werden möglicherweise einen dritten Weltkrieg auslösen. Wo bleibt die „Friedensbewegung“? Das war’s für heute. Natürlich ist der Nazi-Barde August Hinrichs immer noch der Schandbürger Oldenburgs. Hier gibt es Niemanden, der öffentlich dagegen protestiert, dass die politische Elite dieser Stadt sich so ohne Ausnahme mit der Ideologie identifiziert, die zu den Verbrechen von Langemarck, Verdun, Auschwitz und Rostock-Lichtenhagen sowie Solingen motiviert hat und noch motiviert. Pfui. Und nun noch etwas Reklame: Klaus Dede Von böser Lust und rechter Freudigkeit Die Kampagne der Priester, Pastoren, Ärzte und Lehrer gegen das unglaublich gemeine Laster der zerstörerischen Selbstbefleckung Aachen 2009, Shakermedia, 223 Seiten, 19.90 Euro Und noch ein Hinweis: Im Melzer-Verlag (Bermondstr. 9, 63263 Neu-Isenburg) erscheint alle zwei Monate die Zeitschrift „Semit“, die ich hier dringend empfehlen möchte. www.dersemit.de