-1939-1940-

1939, 10. 9. Bremen: Mit dem Kriegsbeginn rollt die erste Verhaftungswelle über Bremen hinweg. Die Betroffenenen wurden zunächst nach Oslebshausen gebracht. Von dort geht der erste Transport an diesem Tage ins KZ Sachsenhausen ab. Festgenommen werden Sozialdemokra-ten, Kommunisten, aber auch Ernste Bibelforscher und andere, die sich auf einer Liste der Gestapo befinden. Zu-nächst sind 31 Bremer und zwei Bre-merhavener betroffen, aber die Verhaf-tungen gehen weiter und steigern sich im Laufe des Krieges.
1939 Bremen: Die Domgemeinde erwirbt die Silbermann-Orgel, die 1748 für die Kirche in Etzdorf bei Haina in Sachsen gebaut woren war. Sie stand zunächst in der Westkrypta, wurde aber im 2. Weltkrieg in die Ostkrypta umgesetzt, wo sie sich bis heute befindet.
1939 Bremen: Die verschiedenen niederdeut-schen Theatervereine der Bremens schließen sich zur "Niederdeutschen Bühne", seit 1942 "Niederdeutsche Bühne der Hansestadt Bremen" zusam-men. Es gab mehrere Vorläufer:
  • "Rablinghauser Speeldeel" (1920),
  • "Gröpelinger Theaterverein" (1928) und
  • "Waller Speeldeel" (1937).
Die Stücke der Niederdeutschen Bühne wurden im "Café Lehmkuhl" an der Waller Heerstraße aufgeführt. Das Haus fiel aber am 6. Oktober 1944 alliierten Bomben zum Opfer. Nach der Befreiung konnte der Verein aber an der Waller Heerstraße ein eigenes Haus bauen, das am 28. November 1947 eröffnet und 1961 umgebaut wurde. Seit 1958 heißt das Institut "Niederdeutsches Thea-ter", wurde dann 1987 in "Ernst-Waldau-Theater" und schließlich 1994 in "Waldau-Theater" umbenannt. 2002 erfolgte die bislang letzte Umbenennung in "Waldau Theater, Komödie Bre-men".
1939, 10. 9. Bremen: Mit dem Kriegsbeginn rollt die erste Verhaftungswelle über Bremen hinweg. Die Betroffenenen wurden zunächst nach Oslebshausen gebracht. Von dort geht der erste Transport an diesem Tage ins KZ Sachsenhausen ab. Festgenommen werden Sozialdemokra-ten, Kommunisten, aber auch Ernste Bibelforscher und andere, die sich auf einer Liste der Gestapo befinden. Zu-nächst sind 31 Bremer und zwei Bre-merhavener betroffen, aber die Verhaf-tungen gehen weiter und steigern sich im Laufe des Krieges.
1939, 1. 11. Bremen: Bremerhaven wird mit Weser-münde vereinigt und damit preußisch. Dafür tritt Preußen die Gemeinden Le-sum, Grohn, Schönebeck, Aumund, Blu-menthal, Farge, Hemelingen und Mahn-dorf an Bremen ab. Damit erhielt die Stadt 61.000 neue Einwohner, verlor da-gegen in Bremerhaven 27.500.
1939, 4. 4. Wesermünde: Die 4. Zerstörer-Flottille wird in Wesermünde in Dienst gestellt. Die Einheit bestand nur ein Jahr, denn die sechs Boote, die an dem deutschen Überfall auf Norwegen beteiligt waren, kehrten aus Narvik nicht mehr zurück. Die 4. Zerstörer-Flottille wurde am 18. April 1940 offiziell aufgelöst. Die "Bru-no Heinemann" und "Hans Lody" wurden der 6. Zerstörer-Flottille zuge-teilt.
1939, 1. 9. Wesermünde: Im Hafen ist die Vierte Zerstörer-Flottille, die 10. Vorposten-Flottille sowie eine U-Jagd-Flottille stationiert. Flak-Batterien standen in Weddewarden, Langen, Spaden, Schiff-dorf und Stotel sowie auf dem linken Weser-Ufer auf Langlütjen, bei Grebs-warden und Ellwürden. Sie waren zu-nächst mit 10,5-cm-Geschützen, dann mit Kanonen vom Kaliber 12,5 armiert. Für die Jagdabwehr war das Jagdge-schwader 1 in Jever zuständig, das über 80 - 100 Maschinen verfügte, die zunächst auf den Flugplätzen Jever, Wangerooge und Nordholz stationiert waren. Dann kamen die Fliegerhorste in Vechta, Oldenburg und Leeuwarden hin-zu. Der Luftschutz war so organisiert: Die Stadt besaß am Ende des Krieges 34 Bunker. Außerdem befanden sich neun weitere im Bau. Das städtische Bauamt bevorzugte Hochbunker, die rund waren und ein spitzes Dach hatten. Sie bewährten sich bei den Angriffen durchaus. Die Warnzentrale löste im Laufe des Krieges im übrigen von 1939 bis Januar 1945 878 Alarme aus. Hinzu kanen von September 1942 bis Januar 1945 478 "Voralarme". Das klingt zunächst wenig, aber die Belastung durch die alliierte Luftoffensive lässt sich besser ermessen, wenn wir das Jahr 1941 herausgreifen, in dem die Amerikaner noch nicht an den Angriffen bereitigt waren. In dieser Zeit gab es im Landkreis Friesland, in der Regel abends oder nachts, 87 Alarme, von denen der kürzeste sechs Minuten, der längste dagegen vier Stunden und 24 Minuten dauerte. Bei einem Zwölf-Stunden-Tag kann man daraus leicht ersehen, welche Belastung der Luftkrieg selbst für diejeningen bedeutete, da nicht in den Städten wohnten, also von den Bomben nicht unmittelbar bedroht waren. Von Januar bis Mai 1945 hat man die feindlichen Anflüge offenbar nicht mehr gezählt - der Alarm war ein Dauerzustand geworden.
1939, 1. 11. Wesermünde: Da die bislang bremische Stadt Bremerhaven durch die "Vierte Verordnung zum Neuaufbau des Rei-ches" vom 28. September 1939 nach Wesermünde eingemeindet wurde, wird konsequenterweise die Städtische Spar-kasse Bremerhaven mit der Sparkasse von Wesermünde vereinigt und bildet in ihr nunmehr die Abteilung "Mitte".
1939, 2. 10. Wesermünde: Das Marine-Lazarett We-sermünde nimmt seinen Dienst auf
1939, 13. 12. Wesermünde: Die "Bremen IV", die unmittelbar vor dem deutschen Angriff auf Polen am 30. August 1939 New York verlassen hatte, kehrt (über Murmansk) nach Bremerhaven zurück. Der "Blo-ckadedurchbruch" hat für die Bevölke-rung an der Unterweser eine symbol-hafte Bedeutung: Wenn der "Bremen IV" das gelingt, wird noch alles gut.
1939 Wesermünde: Neues Feuerwehrgeräte-haus für Lehe in der Mecklenburger Straße.
1939, August Nordenham: Die "Franzosenschanze" in Blexen wird abgetragen. Sie muss dem Flugplatz weichen, der hier gebaut wurde, aber nur in Teilen fertiggestellt wurde.
1939 Waddens: Der Galerie-Holländer stellt seine Arbeit ein und wird abgebrochen. Die Mühle stammte aus dem Jahre 1895. Vorher stand auf dem Platz eine Bockwundmühle.
1939-1941 Wilhelmshaven: Bau des Geniusdeichs. Davor bildete sich ein weiter Sand-strand, der sich ab 1950 zum beliebtes-ten Badeplatz Wilhelmshavens entwik-kelte. 1970 wurde hier ein Campingplatz eingerichtet.
1939, 1. 4. Wilhelmshaven: Stapellauf des Schlacht-schiffs "Tirpitz". Hitler hält die Tauf-rede und verkündet bei dieser Gele-genheit die Kündigung des Flottenab-kommens mit Großbritanniens. Die "Tirpitz" ist das letzte Schlachtschiff der Kriegsmarine - und war bereits zu der Zeit, als es geplant wurde, ein Fossil, weil inzwischen die Flugzeugträ-ger die Nachfolge angetreten hatten. Dessen ungeachtet plante die Kriegs-marine zu dieser Zeit weitere Schlacht-schiffe, die noch weitaus größer sein sollten, aber sie blieben Phantasien, die nie realisiert wurden. Es ist typisch, dass sowohl die "Bismarck" als auch die "Tirpitz" von Flugzeugen vernich-tet wurden.
1939, 31. 5. Wilhelmshaven: Erster Spatenstich für die Siedlung "Altengroden-Nord". Geplant sind 2500 Wohnungen, davon 1000 in Altengroden-Nord und 1500 in Altengroden-Süd, von denen aber bis zum Kriegsende nur 500 fertigwerden. In Altengroden-Süd begann der Woh-nungsbau am 7. April 1959. 1962 war die Siedlung fertig.
1939, 1. 9. Wilhelmshaven: Vom September 1939 an versinkt die Stadt, wie ganz Deut-schland, an jedem Abend in tiefste Dun-kelheit. Wilhelmshaven wird von Anfang an ein wichtiges Ziel des Luftkrieges. Rings um den Festungsbezirk ist sehr viel Flak zusammengezogen. Für die Zivilbevölkerung werden 24 bombensi-chere Vierkantbunker und zehn Rundtür-me gebaut. Die Marine schützt Soldaten und Arbeiter der Marinewerft durch wietere dreißig Bunker. Der Luftkrieg beginnt für Wilhelmshaven bereits am 4. September 1939 mit einem ersten Bom-benangriff, den die Flak jedoch abweh-ren kann: alle acht feindlichen Flugzeuge werden abgeschossen. Am 18. Dezem-ber attackieren 44 englische Flugzeuge die Festung, von denen diesmal 36 ver-nichtet werden.Die Bilanz des Krieges:
  • 1939: 15 Alarme. Keine Angriffe und keine Schäden.
  • 1940: 179 Alarme, 32 Angriffe, erste Schäden.
  • 1941: 158 Alarme, 35 Angriffe, die Zerstörung der Stadt beginnt.
  • 1942: 155 Alarme, 10 Angriffe, davon drei Großangriffe.
  • 1943: 287 Alarme, 12 Angriffe.
  • 1944: 528 Alarme, 7 Angriffe.
  • 1945: 218 Alarme, 3 Angriffe.
Ergebnis: Die Stadt ist zu etwa 60 Prozent zerstört. Man beklagt 534 Tote, darunter 24 Soldaten. Von den Wohnun-gen sind 5600 vernichtet. Insgesamt zählt die Wilhelmshavener Bevölkerung 13.072 Kriegstote (zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg waren es 3597 Tote).
1939, 18. 12. Wilhelmshaven/Jever: Über der Nordsee schießen deutsche Jäger von einem britischen Verband, der 24 Bomber um-fasste, zwölf ab. Das britische Ober-kommando stellt damit die Tagangriffe auf Ziele im Reich bis zum Mai 1940 ein.

-1940-

1940 Bremen: Die Gestapo richtet bei Farge das "Arbeitserziehungslager Tesch" ein, das zunächst etwa 30 Häftlige aufnimmt. Später werden es etwa 500, die in dem Bunker Valentin eingesetzt werden. "Nach dem 20. Juli 1944 dien-ten die Baracken auch als Auffang- und Durchgangslager der Bremer Gestapo. Die Lebensverhältnisse waren gekenn-zeichnet durch Schikane und Hunger; es gab nicht nur eine straffe Arbeitsdis-ziplin, sondern auch Misshandlungen. Es gab ‚12-16 Erschießugen auf der Flucht’ und einige andere Todesfäl-le..." (Schwarzwälder: Das Große Bre-men-Lexikon, 2003, Bd. I, S, 35)
1940, 2. 3. Bremen: Britische Flugzeuge werfen Flugblätter über der Stadt ab.
1940, 16. 5 Bremen: In der Hansestadt werden aus dem Umland die Zigeuner, die man dort antrifft, zusammengezogen und an die-sem Tag nach Polen verbracht, angeb-lich um sie dort anzusiedeln, was miss-lang. Sie wurden erneut nach Deutsch-land verbracht. Im März 1943 werden die Zigeuner aus Nordwest-Deutschland in Bremen zusammengezogen und von hier aus nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wurden,
1940, 18. 5. Bremen: Die ersten Bomben fallen auf die Stadt. 16 Tote.
1940, 22. 6. Bremen: Bombenangriff auf die Focke-Wulff-Werke im Neuenlander Feld. Das Werk wird von 24 Spreng- und 14 Brandbomben getroffen.
1940, 18. 8. Bremen: Der Bau öffentlicher Luft-schutzbunker beginnt.
1940, 6. 11. Bremen. In der Stadt beginnt man mit dem Bau von Hochbunkern. Der erste entsteht an der Zwickauer Straße am Weidedamm-Viertel. Bis Anfang August 1942 waren 12 Hochbunker fertig und weitere 115 benutzbar. Sie boten etwa 45.000 Produktion Schutz.
1940, 7. 4. Wesermünde: Bremerhaven ist der Standort von elf Zerstörern. Zehn von ihnen laufen zum Beginn des Unter-nehmens "Weserübung", also des deutschen Angriffs auf die neutralen Staaten Dänemark und Norwegen, unter ihrem Kommodore. Kapitän zur See Bonte, nach Narvik aus. Alle Schiffe gehen verloren, auch Bonte fällt. Am 8. April folgt der Leichte Kreuzer "Karlsruhe" und mit ihm einige kleinen Einheiten mit dem Ziel Kristiansand in Norwegen.
1940, 16. 10. Wesermünde: Die ersten Bomben treffen die Stadt. Sie schlagen an der Feld-straße in Geestemünde ein. Am 24. und 25. Oktober fallen weitere.
1940, 4,/5. 7. Wilhelmshaven: Britische Flugzeuge werfen die ersten sechs Bomben auf die Stadt. Sie treffen das Gebiet der Werft, richten aber kaum Schaden an. In der folgenden Nacht, 5./6. Juli 1940, wird bei einem neuen Angriff der erste Soldat getötet. Der erste Zivilist fällt in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli.
1940, 20./21. 7. Wilhelmshaven: Zwanzig britische Flug-zeuge greifen die Werft an. Fünf Ma-schinen werden abgeschossen. Sechs Sprengbomben richten unwesentlichen Schaden an. Es folgen weitere Angriffe. Die Wirkung ist unerheblich. Rolf Uphoff: "Wesentlich problematischer war die psychologische Wirkung. Die durch die Alarme um ihren Schlaf gebrachten Bürger ließen in ihrer Arbeitskraft nach." (Uphoff: Als der Tag zur Nacht wurde ...1992, S. 76)
1940 Esens: Der jüdische Friedhof am Müh-lenweg wird verwüstet. Von den 76 Ju-den, die 1925 in der Stadt lebten, wurden "mindestens" 46 Menschen ermordert.